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Fachtagung eco-bau und NNBS 2018 - Rückblick

Wo finden im Bau gerade Innovationen statt? Welche Materialien werden in Zukunft eine grössere Rolle spielen? Was können wir von unseren Vorfahren lernen. Rund 210 Teilnehmende interessierten sich für solche Fragen und besuchten die diesjährige Fachtagung von eco-bau und NNBS am 15. März im World Trade Center Zürich.

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«Als Jahresanlass der nachhaltigen Bau-Szene haben sich unsere Fachtagungen inzwischen einen Namen gemacht», sagte Friederike Pfromm, Präsidentin von eco-bau, in Ihrer Begrüssung. Es sei wahrscheinlich der Mix zwischen Theorie und Praxis, der zum Erfolg beigetragen habe. Er verhindere, dass im luftleeren Raum bloss Zukunftsphantasien gesponnen würden und sorge dafür, dass die Teilnehmenden auch konkrete Eindrücke von innovativen Objekten nach Hause nehmen können.

Martin Hitz, Präsident NNBS, gab in seiner Begrüssung zu bedenken, dass «innovativ» nicht zwangsläufig auch «nachhaltig» bedeuten muss und auch nicht unbedingt mit Hightech gleichzusetzen sei. Die Veranstaltung werde zeigen, dass auch mit alten, teilweise etwas in Vergessenheit geratenen Konzepten und Materialien innovativ und nachhaltig gebaut werden kann.
Prof. Dr. Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen, ETH Zürich, startete einen Aufruf an die Unternehmen. Er betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung sei. Damit letztere etwas bewirke, brauche sie die Praxis und geeignete Partner. Erst wenn die Innovationen im Markt ankommen, können sie etwas für die Nachhaltigkeit bewirken.

Innovative Bauweisen – wie wird 2050 gebaut?
Holger Wallbaum, Professor für Nachhaltiges Bauen an der Chalmers University of Technologie, Göteborg, Schweden, lieferte zu Anfang einige Zahlen, die zeigten, wie gross die Aufgabe ist, die Welt nachhaltig zu machen: Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung um den Faktor 3,7; die Nutzung natürlicher Ressourcen um den Faktor 8, die Treibhausgasemissionen um den Faktor 15. China hat in den Jahre 2011-2013 soviel Beton verbaut, wie die USA im gesamten 20. Jahrhundert.

Holger Wallbaum, Professor für Nachhaltiges Bauen an der Chalmers University of Technologie, Göteborg, Schweden

Was die Situation in der Schweiz angeht: Es sei absehbar, dass sich die Ziele der Energiestrategie 2050 mit den heutigen Sanierungsstrategien nicht erreichen lassen. Eine durchschnittliche Sanierung senke den Bedarf an Betriebsenergie nur um rund 30 Prozent – nötig wären aber 75 Prozent. Hilfreich wäre hier etwa, wenn sich der Blick vom einzelnen Gebäude löse und dem Quartier oder Areal zuwende. Auch ganz generell erfordert nachhaltiges Bauen ein Denken, das weit über den eigentlichen Bauprozess hinausreicht. Dabei gehe es darum Antworten zu finden auf Fragen: Für wen bauen wir? Was bauen wir? Was brauchen wir?  Es geht um Menschen, ihre Produktivität am Arbeitsplatz, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Angesichts der Komplexität der Aufgabe könnte die durchgehende Digitalisierung über alle Bauphasen zwar helfen. Sie sei aber im Bau deutlich schwieriger umzusetzen als in anderen Branchen, weil Bauen stark arbeitsteilig, hoch komplex und sehr individualisiert ist.
Für die Zukunft des Bauens sieht Wallbaum etwa folgendes Szenario: Bis 2020 erhöhen sich die Anforderungen bezüglich Energie kontinuierlich. Beim Bestand wird vermehrt energetisch saniert statt nur instand gestellt. Beton ist dominierender Baustoff. 2030 ist die Vorfabrikation im Markt etabliert, Hybridbauweisen sind im mehrgeschossigen Bau angekommen und die Energie stammt mehrheitlich aus erneuerbaren Quellen. 2040 ist das Energieproblem gelöst. Es gibt neue Mobilitätskonzepte ohne Eigenbesitz, die ländlichen Räume werden wieder attraktiver. Die künstliche Intelligenz übernimmt Prozesse, Urban Mining findet statt und das Separieren von Baustoffen rentiert. 2050 erledigen überwiegend Roboter die Arbeiten auf dem Bau. Der Mensch wirkt nur noch im Hintergrund und wundert sich über das Planen und Bauen im Jahr 2020.

Holz und Hybridbauten neu gedacht
Holzbaupionier Hermann Blumer von Creation Holz AG präsentierte anschliessend realisierte Beispiele, die sich durch bestimmte Innovationen auszeichnen. Dazu gehören etwa komplett metallfreie Holz-Holzverbindungen oder sehr ästhetische Konstruktionen in Anlehnung an japanische Holz-Fügetechniken. Abgesehen vom reinen Holzbau macht heute der moderne Hybridbauweise von sich reden, sei es nun als Kombination von Holz mit Beton oder Holz mit Stahl. Zurzeit am gebräuchlichsten ist der Holz-Beton-Bau, bei dem der Beton zur Aussteifung und als Brandschutz dient. Holz- Stahlverbindungen erfüllen den gleichen Zweck, ermöglichen aber grössere Spannweiten. Wichtig bei dieser Bauweise sei, dass sich alle Verbindungen auch wieder trennen lassen - steckbar und zerlegbar heisst die Devise. Der Holzbau ist heute, so Hermann Blumer, stark mechanisiert und digitalisiert. Wichtig sei, dass in der Planung schon früh Simulationen mit einbezogen werden. Einer der wichtigsten Vorteile des Holzbaus wird auch künftig seine Geschwindigkeit sein. Und so schwebt Blumer vor, dass es schon bald möglich sein wird, ein Mehrfamilienhaus mit 10 Einheiten innerhalb von 20 Tagen vom ersten Plan bis zum Rohbau hochzuziehen. Das entspräche dann sinnigerweise gerade der Tragzeit des chinesischen Hamsters.

Innovativer Betonbau – neue und längst vergessene Techniken
Dass im Beton noch viel Innovationspotenzial steckt zeigte Philippe Block, Professor am Institut für Technologie in Architektur der ETH Zürich. Viele seiner Inspirationen bezieht er aus alten Techniken. Dazu gehören solche, die es den Baumeistern gotischer Kathedralen erlaubten, 30 m überspannende Gewölbe aus nur 10 cm starkem Material zu bauen. Die wesentliche Kunst dabei war einerseits, die Schwerkraft nicht nur aufzufangen, sondern sie auch zur Stabilisierung der Konstruktion zu nutzen. Andererseits verstanden es die alten Meister auch, relativ brüchige Materialien durch geeignete Formgebung – oft durch Stege - so zu versteifen, dass sie hohe Lasten tragen können. Solche konstruktiven Konzepte werden an seinem Institut aufgenommen und mit modernen Planungsinstrumenten und Herstellungsmethoden in die heutige Zeit übersetzt. Zusätzlich nutzt man auch die Möglichkeiten neuer Armierungsmaterialien und -techniken. Am Ende kommen Konstruktionen heraus, die selbst auch heutiger Sicht nicht nur hauchdünn, sondern auch fast beliebig komplex geformt sein können.

Philippe Block, Professor am Institut für Technologie in Architektur der ETH Zürich

Neue Dimension Lehmbau
Martin Rauch von Lehm, Ton, Erde aus Schlins (Vorarlberg), gehört zu den Pionieren im Lehmbau. Unter anderem am Beispiel seines eigenen Einfamilienhauses zeigte Martin Rauch, wie «modern» ein Lehmbau aussehen kann und welche Vorteile er bietet. Er hat das Gebäude aus Aushubmaterial gebaut. Es wurde bloss gesiebt, in eine Schalung eingebracht, gestampft und luftgetrocknet. Das brauchte viel Handarbeit und Zeit, sparte aber fast 40 Prozent graue Energie im Vergleich zu einem konventionellen Bau. Hier schlägt sich günstig nieder, dass der Lehm bei dieser Bauweise keine thermische Behandlung braucht und nur luftgetrocknet wird. Die Zukunft des Lehmbaus liege aber in der Vorproduktion und in klugen Materialkombinationen. Auf diese Weise könnten – ähnlich dem Holzsystembau – die Hohlräume für Rohre und Kanäle bereits auf Element-Ebene vorgefertigt werden. Auch die Dämmung lässt sich bereits vorfabrizieren – beispielsweise in Form von mit Glasschaum gefüllten Hohlräumen. Das Stampfen des Lehms könnten künftig Roboter übernehmen. Richtig geplant sei auch der Zeitfaktor beim Lehmbau kein Hindernis mehr. Was noch fehle, seien aber vor allem die Fachleute, die wüssten, wie mit Lehm zu bauen sei. Natürlich brauche es auch mehr Firmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und noch mehr Wissen um diesen alten Baustoff.

Einen Schritt voraus – neue Bauweisen im Hunziker Areal
Andreas Hofer, Leiter Innovation und Forschung bei der Genossenschaft «Mehr als wohnen», Zürich, ist vor über 10 Jahren an die Planung der Grossüberbauung Hunziker-Areal mit dem Vorsatz herangegangen, eine Pilotsiedlung mit möglichst vielen Innovationen zu bauen. Während der prozesshaften Planung mit vielen Beteiligten wurde intensiv über neue Konzepte, Materialien, hybride Deckensysteme, Erdbebensicherheit und Gebäudetechnik diskutiert. Schliesslich einigte man sich darauf, die Mehrheit der Gebäude als konventionelle, aussen gedämmte Massivbauten zu bauen. Ergänzend dazu gab es zwei Holzhäuser und einen Monolithen aus Porothermstein ohne Zusatzisolation. Entstanden sind so 13 Häuser, in denen je an die 100 Menschen leben. Im Mittelpunkt der Entscheidungen stand immer die Frage: Was brauchen wir wirklich, was können wir auch mit weniger Material machen? Gesucht wurden daher eher einfache, robuste Systeme und weniger Hightech-Produkte. Die optimierte Grösse der Gebäude half zum Beispiel, Gebäudetechnik einzusparen. Das Ergebnis: Die Überbauung ist als 2000-Watt-Areal im Betrieb zertifiziert und hinsichtlich der Energiekennzahlen entspricht es den Anforderungen höchster Energie-Standards. «Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, geht es nicht nur um Hardware, also den Bau selbst. Es braucht Managementsysteme, Kommunikation, Reporting-  und Monitoring-Systeme, um im Betrieb beurteilen zu können, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt» fasste Andreas Hofer seine Erfahrungen zusammen.

Andreas Hofer, Leiter Innovation und Forschung bei der Genossenschaft «Mehr als wohnen», Zürich

Ein mögliches Fazit der Veranstaltung: Innovatives Bauen braucht nicht unbedingt Hightech-Lösungen. Viele interessante Ansätze lassen sich schon in der Baukunst unserer Vorfahren finden. Aus ihren Konzepten lassen sich mit heutigen Werkzeugen und Materialien innovative und nachhaltige Bauweisen entwickeln.

Am Nachmittag gab es  drei parallele Workshops zu Hybridbauweise, integraler Planung mit BIM und zum Bauen in Zeiten des Klimawandels. Je eine Exkursion führte ins nahe gelegene Hunziker-Areal und an den Campus ETH Zurich Hönggerberg, wo das ArchTecLab und das House of natural Resources besichtigt werden konnten. Dies bot den Teilnehmenden Gelegenheit für vertiefte Diskussionen über zukunftstaugliches Bauen. Die nächste Fachtagung findet am 28. März 2019 statt.

Zu den Referaten

Fachtagung eco-bau und NNBS 2018: Innovative Bauweisen

An der nächsten Fachtagung von eco-bau und NNBS vom 15. März 2018 in Zürich geht es um «Innovative Bauweisen». Dabei steht die Frage im Raum, wie 2050 gebaut wird und welche Innovationen im Holz-, Hybrid- und Massivbau bereits heute umgesetzt werden. Neben Pionieren kommen auch Forscher zu Wort. Ausserdem werden bereits realisierte Projekte besprochen.

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Der Nachmittag bietet drei parallele Workshops zu Hybridbauweise, zu integraler Planung mit BIM und zum Bauen in Zeiten des Klimawandels. Je eine Exkursion führen ins Hunziker-Areal und in den Campus ETH Zürich Hönggerberg. Dort können das ArchTecLab und das House of natural Resources besichtigt werden.

Im Rahmen der Tagung halten eco-bau, NNBS und SGNI ihre Mitgliederversammlungen ab. Die Tagung wird in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, der Hochschule Luzern, der Berner Fachhochschule und der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt.

Programm (PDF)

Anmeldung (über unseren Ticketing-Partner)
Hinweis: Im Anmeldeformular erscheinen nur die Nachmittagsveranstaltungen, die noch nicht ausgebucht sind.

Eco-bau an der Swissbau – ein Rückblick

Der erste Auftritt von eco-bau an der Swissbau darf als Erfolg gewertet werden. Am Informationsstand fanden sich viele Besucher ein, die sich für unsere Konzepte und Instrumente interessierten. Es konnten auch wertvolle Kontakte geknüpft oder aufgefrischt werden.


Die beiden Veranstaltungen, die eco-bau zusammen mit Partnern im Rahmen des Swissbau Focus organisiert hatte, waren gut besucht. Sie lieferten spannende Einsichten zum Innenraumklima und zur Wechselwirkung zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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Infostand von eco-bau an der Swissbau18, hier betreut vom Vizepräsidenten, Beat Wüthrich

Innenraumklima – was Planer und Betreiber voneinander lernen können
Um das Innenraumklima ging es bei der Focus-Veranstaltung, die eco-bau zusammen mit SGNI organisiert hat. Dabei wurden die Abweichungen zwischen geplantem und im Betrieb real vorhandenem Innenraumklima unter die Lupe genommen. Dieser sogenannte Indoor Performance Gap wurde in verschiedenen Studien immer wieder festgestellt.

Geschäftsführerin Barbara Sintzel im Gespräch mit Andreas Baumgartner, Technischer Sekretär NNBS

Barbara Sintzel, Geschäftsführerin von eco-bau, begrüsste die Referenten und eröffnete die Veranstaltung. Danach beleuchteten Lukas Windlinger, Professor am Institut Facility Management der ZHAW und Sebastian El Khouli, Mitglied der Geschäftsleitung bei BGP Bob Gysin + Partner Architekten, Zürich, das Thema jeweils aus ihrer eigenen Sicht. Über allem stand die Frage, was Betreiber und Planer voneinander lernen können.
Vorauszuschicken ist, dass beide Referenten unter Innenraumklima viel mehr als nur Temperatur, Feuchte und Schadstoffgehalt der Luft verstehen. Bei ihnen gehören auch Tageslichtversorgung, Lärm, Oberflächenbeschaffenheit, Farben und weiteres dazu, also alles, was das Wohlbefinden der Nutzer beeinflussen kann.
Lukas Windlinger präsentierte Resultate aus Studien seines Instituts. Sie hatten zum Ziel, die Zufriedenheit von Arbeitnehmenden mit ihrem Arbeitsplatz und den Einfluss des Raumklimas darauf zu ergründen. Wie sich zeigte, lässt sich der Einfluss des Innenraumklimas auf die Zufriedenheit von Mitarbeitenden aber kaum über objektive Messwerte fassen. Zudem ist das Innenraumklima nur ein Faktor unter vielen, wenn es um die Zufriedenheit am Arbeitsplatz geht.

Lukas Windlinger von der ZHAW bei seinem Referat

Nutzer schon bei der Planung einbeziehen
Komfort an Arbeitsplätzen wird sehr subjektiv bewertet. Das heisst: Ein gutes Innenraumklima lässt sich mit den heute vorhandenen Normen und Standards nur bis zu einem gewissen Grad planen. Wie es von den Nutzenden wirklich empfunden wird, zeigt erst der Betrieb. Als wichtige Faktoren konnten Privatheit/Akustik, Temperatur, Licht, Aussenbezug und Ästhetik identifiziert werden. Anhand der Studienresultate leitete Lukas Windlinger folgende Empfehlungen zuhanden von Bauherren und Gebäudebetreibern ab:

  • Standardisierte Qualitätssicherungsinstrumente wie Zertifizierungen und Normen zur Innenraumqualität sind zwar wichtig. Mindestens ebenso wichtig wäre es aber, die Bedürfnisse der Nutzer schon bei der Planung abzuklären und mit einzubeziehen.
  • Nur die Systemsicht auf das Gebäude erlaubt ein realitätsnahes Verständnis und ermöglicht effektive Massnahmen beim Innenraumklima (ganzheitliche Analyse und Gestaltung)
  • Eine gute Grundlage für komfortable, gesunde und leistungsfördernde Bürogebäude bietet eine nutzerorientierte Bedarfsanalyse. Das darauf basierende Bürokonzept sollte im Betrieb kontinuierlich evaluiert und optimiert werden.

Sebastian El Khouli erläuterte an realisierten Projekten, wie er als Architekt versucht, die Voraussetzungen für ein gutes Innenraumklima zu schaffen. Dabei deckte er viele Aspekte ab, die auch seinem Vorredner wichtig sind. Es geht also um eine gute Tageslichtversorgung, um thermisches Wohlbefinden, den Bezug zur Aussenwelt und die Raumkonzepte. Relevant sind auch Materialien, ihre Oberflächen und Farben.
Für all diese Aspekte zeigt er kreative und innovative Lösungen. So lassen klug platzierte Fenster die richtige Menge Tageslicht ins Gebäude, ohne dass sich der Innenraum im Sommer zu stark erwärmt. Ein gut gelöstes Atrium versorgt das Gebäude nicht nur mit Licht und Luft, sondern ermöglicht auch die passive Kühlung in der Nacht. Dabei helfen automatische Lüftungsflügel und ein gut aktivierbarer Betonkern.

Sebastian El Khouli bei seinem Referat

Gebäude als Gesamtsystem betrachten
Einen wesentlichen, aber auf den ersten Blick nicht ersichtlichen Beitrag zu einem guten Innenraumklima können flexible Gebäudestrukturen schaffen. Sie erlauben es nämlich zu reagieren, wenn sich im Alltag zeigt, dass die Nutzer sich anders verhalten als geplant. Auch die künstliche Beleuchtung bietet Raum für Verbesserungen beim Innenraumklima. Wenn sie gegen Abend Licht mit höherem Rotanteil liefert, unterstützt sie den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus der Nutzenden - die LED-Technik macht‘s möglich. Besonders nützlich sind solche Lichtszenarien etwa in Alters- und Pflegeheimen.
Auch El Khouli plädierte dafür, das Gebäude als Gesamtsystem zu betrachten, mit vielen Wechselwirkungen, Widersprüchen und Synergien. Die Aufgabe der Architekten sei es, sie so zu beherrschen, dass das Gebäude im Betrieb auch genügend Freiheiten für Optimierungen bietet.
Die Referenten waren sich einig, dass sich Investitionen für ein gutes Innenraumklima auf jeden Fall lohnen. Betriebswirtschaftlich gesehen machen Planung und Bau über den ganzen Lebenszyklus gesehen nur einen kleinen Teil der Kosten eines Gebäudes aus. In diesem Zusammenhang wies Sebastian El Khouli auch darauf hin, dass das Bauen mit gesundheitlich guten Materialien nicht teurer sein muss als mit Standardmaterialien.

Die Präsentationen:

Architektur für ein gesundes Innenraumklima
Sebastian El Khouli, Mitglied der Geschäftsleitung bei BGP Bob Gysin + Partner Architekten, Zürich

Subjektive und objektive Innenraum-Qualitäten
Lukas Windlinger Inversini, Professor an der ZHAW im Institut Facility Management
 

Podium

Kann die Digitalisierung die Nachhaltigkeit fördern?
Um die Frage, ob Digitalisierung die Nachhaltigkeit des Bauens fördern kann, ging es beim Podiumsgespräch, das eco-bau zusammen mit dem CRB und dem NNBS im Rahmen des Swissbau Focus organisiert hat. Es diskutierten: Michel Bohren, Direktor CRB, Dimitrios Gyalistras, Synergy BTC AG, Jürgen Schade, Porr Suisse AG, Frank Thesseling, Hochschule Luzern. Für den krankheitshalber verhinderten Werner Binotto vom Hochbauamt St. Gallen sprang als Vertreterin der öffentlichen Bauherren Friederike Pfromm, Präsidentin von eco-bau, ein. Moderiert hat Marianne Stähler von der Geschäftsstelle eco-bau.
Schon die Kurz-Statements zu Beginn machten die Standpunkte mehr oder weniger klar. Während die Vertreter von CRB, Porr und der Hochschule Luzern vor allem die Chancen der Digitalisierung betonten, mahnten Friederike Pfromm und Dimitrios Gyalistras auch die Risiken an. Jürgen Schade formulierte es so: „Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, also ist es besser, von Anfang an vorne dabei zu sein statt später hinterher zu rennen“. Interessant sei vor allem die Aussicht, schneller und besser bauen zu können. Frank Thesseling erwartet, dass die Digitalisierung die Planenden von der steigenden Komplexität des Bauens entlasten könne und ihnen so mehr Freiraum für die Suche nach zukunftsfähigen Lösungen schenkt.
Friederike Pfromm gab zu bedenken, dass die öffentlichen Bauherren der Digitalisierung eher skeptisch begegnen, wenn sie zu hochtechnischen Gebäuden führt. Die seien erfahrungsgemäss oft teurer im Betrieb als alte, „analoge“. Wenn die Digitalisierung zudem über die Bauphase hinausgehe, stelle sich rasch die Frage, was mit den Daten passiere, die beim Betrieb anfallen. Weil sie meist Rückschlüsse auf das Verhalten der Nutzer zulassen, seien sie hinsichtlich Datenschutz kritisch.  Hier sah auch Dimitrios Gyalistras das Problem. Er ging gar soweit, die Digitalisierung als anrollenden Tsunami zu bezeichnen, der kaum noch zu beherrschen sei.

Digitalisierung = Tsunami?
Das rief Michel Bohren auf den Plan. Die Digitalisierung könne durchaus gestaltet werden, was bei einem Tsunami ja nicht der Fall sei. Pfromm wies indessen darauf hin, dass es gerade beim Datenschutz an politischem Gestaltungswillen fehle. Im Parlament jedenfalls werde der Diskurs bei weitem nicht mit der erforderlichen Intensität geführt.
Tesseling stellt fest, dass selbst seine Studierenden langsam Angst vor zentraler Datensammlung bekommen. Das sei insofern ein gutes Zeichen, als diese Generation bisher ja als eher leichtsinnig im Umgang mit Daten gilt. Auch die Industrie lenke langsam ein und verlagere die Datenverarbeitung von den Grossen Cloud-Rechenzentren wieder zurück in die Geräte.
Aus Sicht des Bauunternehmens, wandte Jürgen Schade ein, stelle sich die Frage nach Privatheit eigentlich gar nicht. Hier gehe es im Wesentlichen um technische Daten zu Baumaterialien oder zur Gebäudetechnik. Schon diese Daten können einen grossen Nutzen generieren, wenn sie in geeigneten Modellen gehalten und bewirtschaftet werden. Deshalb achte sein Unternehmen darauf, dass seine Kundschaft Gebäude mit BIM bestelle.

Jürgen Schade (li.) und Michel Bohren

Was passiert mit Daten aus dem Betrieb?
Das digitale Bauen allein sei tatsächlich eher unproblematisch, ergänzte Friederike Pfromm.  Sobald aber schon nur der Wärme oder Stromverbrauch des Gebäudes erfasst und zentral ausgewertet werde, fangen die Probleme an. Aus diesen Daten lassen sich bereits schon recht scharfe Nutzerprofile gewinnen.
Eine grosse Chance für die Digitalisierung sieht Thesseling in der Partizipation im Planungs- und Bauprozess. Die durchgehende Digitalisierung dürfte hier das interdisziplinäre Arbeiten deutlich erleichtern, was sicher der Qualität zugutekomme. Das liess auch Dimitrios Gyalistras gelten – die Digitalisierung erleichtere ja auch die Integration von Systemen. Die Kehrseite aber sei, dass sie Begehrlichkeiten weckt. Denkbar wäre etwa, dass Versicherungen Rabatte auf für Nutzer gewähren, die bereit seien, bei sich zu Hause Infrarotsensoren zur Brandprävention zu installieren. Das sei vom Gedanken der Sicherheit durchaus sinnvoll, liefere aber zwangsläufig auch sensitive Daten über die Nutzer. Auf den Einwurf, die Nutzer könnten ja selbst entscheiden, ob ihnen Privatheit oder Geld wichtiger sei, entgegnete Gyalistras: „Wie soll die Grossmutter entscheiden, ob ein Infrarotsensor in ihrer Umgebung ein Problem sein könnte?“ Hier sei der Gesetzgeber gefordert.

Zum Beispiel Bauteil-Recycling und bessere Raumauslastung
Aus dem Publikum kam die Bitte, noch etwas konkretere Beispiele zu nennen, wie die Digitalisierung die Nachhaltigkeit fördern könne. Von Bohren kam der Gedanke, mit BIM-Daten eine Internetplattform zu bauen, die zeigt, welche Bauteile in Rückzubauenden Gebäuden stecken. Das würde die Wiederverwertung von Baumaterialien fördern.
Friederike Pfromm sieht Potenzial darin, die Auslastung von öffentlichen Gebäudenutzung zu verbessern. Dies erlaube es vielleicht wegzukommen vom Bau immer mehr spezialisierter Gebäude, die die meiste Zeit leer stünden. Vielleicht könne man am Ende gar weniger bauen. Das würde insofern helfen als das nachhaltigste Gebäude ja das sei, das gar nicht gebaut werde.
Thesseling sieht Potenzial darin, die Wärmeerzeuger mit Wetterdaten vorausschauend zu steuern. Damit liesse sich im Vergleich zur üblichen Regelung mit Aussen- und Innensensoren nicht nur Energie sparen, sondern auch der Komfort verbessern.
Eine Besucherin fragte, ob man eigentlich schon wisse, ob sich angesichts der rohstoff- und energieintensiven Herstellung von digitalen Komponenten überhaupt mehr Nachhaltigkeit gewinnen lasse. Man wisse heute, dass die Digitalisierung, wenn sie richtig betrieben wird, durchaus ökologische Vorteile bieten könne, antwortete Dimitrios Gyalistras. Ob die aber auch die gesellschaftlichen Risiken aufwiegen, sei hingegen nicht klar. Das liege vor allem daran, dass heute nicht klar sei, wem die Daten gehören, ergänzte Friederike Pfromm. Das sei eine grosse Hypothek, die wir den kommenden Generationen hinterlassen.

Frank Thesseling (li.), Friederike Pfromm (mi.), Jürgen Schade und Michel Bohren (re.)

Fazit
Mit Blick auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit lässt sich das Podiumsgespräch etwa so zusammenfassen: Umwelt und Wirtschaft könnten durch die Digitalisierung gewinnen. Bei der Gesellschaft hingegen ist das zurzeit zumindest für die Betriebsphase weniger klar. Hier brauchte es zuerst eine gesellschaftliche und politische Diskussion, was die Nutzung der anfallenden Daten und den Schutz der Privatsphäre betrifft.

 

Lehrgang eco-bau 2018

Die Daten für den nächsten Lehrgang eco-bau zum nachhaltigen Bauen stehen fest. Der Kurs besteht wieder aus vier Modulen. Drei davon können auch einzeln belegt werden. Das Vierte ist eine Praxisarbeit, es ist den Absolventen des ganzen Lehrgangs vorbehalten. Ein erfolgreich absolvierter Lehrgang eco-bau ist eine Voraussetzung dafür, dass sich die Absolventen und ihre Organisation als Fachpartner eco-bau akkreditieren können.

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Themen und Daten:

Flyer (PDF)

 

Vereinfachte Berechnung des thermischen Komforts in Räumen

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) hat zusammen mit dem Amt für Hochbauten der Stadt Zürich (AHB) ein Werkzeug für Berechnungen im Zusammenhang mit dem sommerlichen Wärmeschutz entwickeln lassen.

 

 

 

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Anlass für diese Entwicklung waren die nach der Revision der Normen SIA 382/1 und SIA 180 immer aufwändiger gewordenen Berechnungen.

Das Werkzeug zeigt anhand weniger Parametereingaben, ob der som-merliche Komfort eines geplanten Raumes die Anforderungen nach SIA 180 erfüllt. Gleichzeitig liefert es eine Abschätzung, in welcher Grös-senordnung die tatsächlich zu erwartenden Komfortbedingungen im Raum liegen werden.
Das Werkzeug kann bei Yvonne Züger, AHB, bezogen werden.

yvonne.zueger-fuerer@zuerich.ch
Schlussbericht zur Studie „Sommerlicher Wärmeschutz“

Methodik eco-bau – problematische Stoffe von Bauprodukten in der Nutzung

Der Verein eco-bau fördert die Verwendung von schadstoff- und emissionsarmen Bauprodukten. Hierfür hat er die Methodik eco-bau entwickelt, die die Grundlage für seine Empfehlungen liefert, beispielsweise für die Eco-BKP, Eco-Devis oder Eco-Produkteliste. Die zugrundeliegende Bewertungssystematik ist auch in die Vorgaben für die Gebäudelabel Minergie-Eco und SNBS eingeflossen.

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Ein Ansatzpunkt zum Vermeiden von schadstoffhaltigen Bauprodukten ist, Stoffe mit bestimmten Eigenschaften zu ersetzen. Damit sind z. B. Stoffe gemeint, die besonders schwerwiegende und langfristige Wirkun-gen auf Gesundheit und Umwelt haben. Hier stützt sich die Methodik auf die europäische Chemikalienverordnung REACH ab, die diese Stof-fe als „besonders besorgniserregende Stoffe“ (SVHC) bezeichnet. Daneben gibt es auch noch Stoffe, die eine „geringe Gefährdung“ aufweisen. In der Methodik werden problematische Stoffe auf der Liste der  „umwelt- und gesundheitsrelevanten Bestandteile“ mit ihrer H-Nummer aufgeführt und in der Bewertung „abgestraft“.
Beschrieb der Methodik eco-bau

 

Arbeitssicherheit beim Einsatz von chemischen Produkten

Die Suva hat eine Broschüre mit dem Titel „Chemikalien im Baugewerbe, alles andere als harmlos“ publiziert. Darin werden Chemikalien und ihre gesundheitlichen Risiken beschrieben wie auch die Grundregeln im Umgang mit ihnen. Behandelt werden etwa Kunst- oder Epoxidharze oder auch, wie VOC-haltige Produkte richtig gelagert werden.

 

 

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Die Arbeitssicherheit in der Schweiz ist via Gesetze abschliessend geregelt und über den Vollzug wacht die Suva. Deshalb verzichtet eco-bau auf separate Empfehlungen. Es lohnt sich aber immer, das Arbeitssi-cherheitskonzept hinsichtlich problematischer Stoffe zu überprüfen.
SUVA-Publikation

Fachtagung eco-bau und NNBS 2017 - zusammengefasst

Fachtagung eco-bau/NNBS Impressionen

Der Saal im Kongresszentrum des Basler St.-Jakob-Stadions war ziemlich ausverkauft, als die Eco-bau-Präsidentin Friederike Pfromm und NNBS-Präsident Martin Hitz die Gäste begrüssten. Rund 250 waren diesmal gekommen, um Antworten auf die Frage: „Sanierung, Umnutzung oder Ersatzneubau?“ zu erhalten.

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Die Sicht des Immobiliendienstleisters
Auf Pfromm und Hitz folgten die Grussworte von Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbauamts Kanton Basel-Stadt, und von Olivier Meile, Bundesamt für Energie. Als erster Referent erläuterte Daniel Grando, Leiter Development Consulting Halter Immobilien, wie er als Immobiliendienstleister an das Thema herangeht. Seine Erfahrung ist, dass in der Planung grundsätzlich viel zu schnell auf eine bauliche Lösungen hingesteuert wird. Deshalb erarbeitet er für eine Bestandesliegenschaft jeweils eine Strategie, auf der die Planung aufbauen kann.

Fachtagung eco-bau/NNBS: Friederike Pfromm
Friederike Pfromm begrüsst die Tagungsteilnehmer

Dabei geht er wie folgt vor: Als Erstes werden die Potenziale eruiert, beispielsweise hinsichtlich Kosten, Risiken, Erträgen, Wert und Ökologie. Danach werden Varianten erarbeitet. Je nach Liegenschaft können die vom „Weiterbetrieb“ über „geringfügige Sanierung“, „umfassende Sanierung mit Erweiterung“ bis zum Ersatzneubau reichen. Diese Varianten werden dann bewertet, und zwar unter Berücksichtigung des ganzen Lebenszyklus. Das fängt beim Grundstück und seinem Kontext an, führt über Aspekte wie Flächeneffizienz, Energie, Ökologie bis zu den Lebenszykluskosten. Basierend auf dieser Bewertung wird eine Variante zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen. Dieses Konzept lässt sich auf Einzelobjekte und auch auf ganze Portfolios anwenden. Wie das in der Praxis geht, zeigte Grando anhand der Chancen-Risiken-Analyse, die sein Unternehmen für das Objekt Claridenstrasse in Zürich gemacht hat.

Ersatz in anspruchsvollem Umfeld
Emanuel Christ von Christ & Gantenbein AG liess die Gäste an den grundsätzlichen Überlegungen teilhaben, die schliesslich zum Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel führten. Hier ging es ja darum, dem bestehenden Gebäude eine Erweiterung hinzuzufügen.

Für Christ steht bei Erneuerungen jeglicher Art vor allem und immer das Verhältnis zum Kontext im Vordergrund – also Aspekte wie architektonische Autonomie, Abgrenzung, Harmonie etc. Der Kontext beim Kunstmuseum war anspruchsvoll. Einerseits galt es dem bestehenden, hochwertigen Altbau Rechnung zu tragen, andererseits war das verfügbare, mehrfach gefaltete Grundstück alles andere als leicht zu bebauen. Der alte und der neue Bau sollten ja als Teil des gesamten „Systems Kunstmuseum“ funktionieren und auch so wahrgenommen werden.

Damit der Neubau nachhaltig werden konnte (gefordert war Minergie-P-Eco) mussten für verschiedene Probleme innovative Lösungen gefunden werden. Dazu gehört etwa die geregelte Tageslichtführung, bei der durch relativ kleine Deckenöffnungen mit hohem Reflexionsanteil qualitativ hochwertiges Licht in Ausstellungsräume geführt wird. Das reduziert nicht nur den Strombedarf für die Beleuchtung, sondern reduziert auch den sommerlichen Wärmeeintrag und somit den Energiebedarf für die Kühlung.

Fachtagung eco-bau/NNBS: Emanuel Christ
Emanuel Christ von Christ & Gantenbein

Ersatz mit Gewinn für die Allgemeinheit
Ganz anders stellte sich wiederum die Aufgabe bei den Baloise Versicherungen, wie Philippe Fürstenberger, Gesamtprojektleiter Baloise Park und Mitglied der Direktion, in seinem Referat ausführte. Hier war der Ausgangspunkt ein ganzes Areal, unter anderem mit einem 35-jährigen Hotel und einem 60-jährigen Bürogebäude.

In seinem Referat zeigte er, wie bei der Beurteilung des Bestands vorgegangen wurde. Sowohl beim Hotel als auch bei den Bürobauten war die Gebäudestruktur entscheidend dafür, dass sich die Basler Versicherungen für den Ersatz und gegen die Sanierung entschieden. Die Gebäude wären mit vertretbarem Aufwand nicht an die heutigen Anforderungen anzupassen gewesen. Hinzu kommt, dass die zu erwartende Rendite nach der Sanierung gesunken wäre – einerseits, weil sich die Mieterträge über den Lebenszyklus kaum hätten steigern lassen und andererseits, weil die Betriebskosten mit dem Alter steigen.

Am Ende resultierte ein Bebauungsplan, in dem die Stadt den Bauherrn zum nachhaltigen Bauen verpflichtete. Damit ging man in die Testplanung. Herausgekommen ist ein Projekt mit drei grossen Gebäuden und - als schönem Nebeneffekt – einem neuen öffentlichen Platz. In Zahlen ausgedrückt: Nach Abschluss der letzten Bauphase werden 620 moderne Arbeitsplätze für die Baloise Group, ein neues Businesshotel der gehobenen Sternekategorie sowie 15 000 m2 Büro- und Verkaufsfläche an attraktiver Lage zur Verfügung stehen.

Sanieren und dabei Fläche gewinnen
Gegen den Ersatz und für die Sanierung entschied sich Syngenta bei ihrem Bürogebäude Rosental, wie Johannes Kretzschmar ausführte. Er war bei der Gruner AG, Basel, für das Projekt verantwortlich. Ein wesentlicher Aspekt, der für die Sanierung sprach, war die graue Energie. Beim Umbau galt es verschiedene Anforderungen zu erfüllen. So sollte beispielsweise der Charakter der bestehenden, markanten Gebäudegruppe erhalten bleiben. Weiters musste man die Baulogistik und den Baulärm im intensiv genutzten Umfeld in den Griff bekommen. Das Gebäude musste an die heutigen Normen (zum Beispiel für Brandschutz und  Erdbebensicherheit) angepasst, die bestehende Quartiertrafostation ersetzt, das Mitarbeiterrestaurant im Innenhof des Ensembles erneuert und ein modernes Bürolayout realisiert werden. Am Ende sollte das Ganze nach Minergie-P-Eco zertifiziert werden.

Was das Büro-Layout anbelangt: Durch Verschieben der Fassaden nach aussen konnte eine Fläche gewonnen werden, die etwa einem zusätzlichen Geschoss entspricht. Eher schwierig gestaltete sich die Raumakustik in den neuen, offenen Büroflächen. Lüftung, Heizung und Kühlung wurden in die Decke integriert. Die Umsetzung der Vorgaben von Minergie-P-Eco sei durchaus anspruchsvoll gewesen, konnte aber durch intensive Begleitung der Bauarbeiten gelöst werden.

Sanieren trotz 70er-Jahre Betonklotz
Auch bei der Sanierung der Schulanlage Bäumlihof in Basel war die Gebäudestruktur ein Knackpunkt, wie Bernhard Gysin, Leiter Schulen beim Hochbauamt Kanton Basel-Stadt, erklärte. Das Mitte der 1970er-Jahre gebaute Gymnasium entsprach weder den baulichen noch den schulischen Anforderungen von heute. Es war architektonisch nicht sonderlich wertvoll teilweise in schlechtem Zustand. Insgesamt gab es also wenige Gründe, die Gebäude nicht zu ersetzen.

Fachtagung eco-bau/NNBS, Bernhard Gysin
Bernhard Gysin vom Hochbauamt des Kantons Basel-Stadt

Eine umfassende Zustandsanalyse zeigt dann doch, dass sich mit dem Bestehenden eine moderne Schulanlage realisieren liess. Für die Sanierung sprach auch, dass es im Umfeld der Schule gar nicht genug Platz für einen Neubau gab. Klar war, dass der Kanton seiner Vorbildfunktion gerecht werden und eine nachhaltig Lösung finden wollte. Als Vorgabe galt, dass die Anlage den Standard Minergie-P-Eco oder ein gleichwertiges Niveau erreichen sollte. Das bedeutete unter anderem: Die Energiekennzahl musste von 300 MJ/m2 auf 24,2 MJ/m2 gesenkt werden.

Interessant waren die Randbemerkungen zur Zertifizierung: Zuerst wollte man aus Kostengründen eher darauf verzichten und nur „gleichwertig“ bauen. Wegen der absehbaren Probleme bei der Qualitätssicherung und der Überprüfung der Resultate, entschloss man sich dann doch zu zertifizieren, zumindest nach Minergie-Eco. (Das „P“ wurde wegen der schwierig umzusetzenden Perimeterdämmung fallen gelassen.) Zu erwähnen bleibt, dass die ganze Anlage im laufenden Betrieb umgebaut wurde.

Zuerst schauen, dann bauen
Das Fazit aus der Veranstaltung könnte etwa so lauten: Nicht zu früh auf bauliche Lösungen hinarbeiten, sondern zuerst eine gründliche Auslegeordnung machen. Sie bildet die Grundlage dafür, die richtige Strategie für die Weiterentwicklung der jeweiligen Liegenschaften zu finden.

Von den Workshops am Nachmittag waren die beiden zu den Themen „Sanierung und Ersatzneubau“ sowie „Neue Sanierungskonzepte“ sehr beliebt. Bei den Exkursionen konnten die am Vormittag besprochenen Objekte besucht werden. Hier schwang das Kunstmuseum Basel im Interesse der Besucher weit oben aus. Gut besucht waren diesmal auch die Versammlungen von eco-bau, NNBS und SGNI. Die nächste Fachtagung von eco-bau und NNBS wird am 15. März 2018 stattfinden - reservieren Sie sich den Termin.

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Quick-Links

Eco-Produkteverzeichnis
Das Verzeichnis der ökologischen Bauprodukte

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