Aktuell

18.9.2018
Merkblatt: Sommerlicher Wärmeschutz

Gebäudehülle Schweiz, der Verband Schweizer Gebäudehüllen-Unternehmungen, hat ein Merkblatt zum sommerlichen Wärmeschutz herausgegeben. Die Autoren gehen davon aus, dass steigende Temperaturen, mehr Hitzetage und längere Hitzeperioden auch bei uns zur Normalität werden. Sie zeigen, welches die wesentlichen Faktoren sind, die die Raumtemperatur beeinflussen. Sie vermitteln, wie sich mit – teilweise einfachen – Massnahmen Räume kühl halten lassen, ohne dass ein Kühlaggregat installiert werden muss.

Zum Merkblatt
 

11.9.2018
Bauprojekte erfolgreich entwickeln - Event für die Mitglieder von eco-bau

Viele Mitglieder stehen vor der Frage, wie sie mit zusätzlichen Raumbedürfnissen umgehen sollen. Allzu schnell ist manchmal die Bauaufgabe formuliert. Doch wurden Varianten evaluiert?  Wie sollen Ziele zum nachhaltigen Bauen definiert werden? Und welche Labels und Standards unterstützen den Weg in die Umsetzung?


Kann am Eco-bau-Mitgliederanlasses besichtigt werden: das Gebäude Synthlon der Universität Lausanne Foto: Canton de Vaud / FISU

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Im Zentrum der Veranstaltung stehen die SIA-Phasen 1 bis 3, also die strategische Planung, die Machbarkeitsstudie, der Wettbewerb und die Vorstudie. Nach einem Input werden die unterschiedlichen Vorgehensweisen diskutiert. Am Nachmittag kann das neue Gebäude Synthlon der Universität Lausanne besucht werden.

Die Veranstaltung ist exklusiv für Mitglieder von eco-bau bestimmt (Hochbauämter, Bildungsinstitutionen).

Datum, Ort: 20. Sept. 2018, 10.15 - 16 Uhr in Lausanne
Preis: gratis
Sprache: Deutsch und Französisch, ohne Simultanübersetzung
Anmeldung

11.9.2018
Studie zur Bedeutung des sommerlichen Wärmeschutzes in der Planung

Der Klimawandel wird dazu führen, dass Gebäude in der Schweiz im Winter weniger geheizt, im Sommer hingegen stärker gekühlt werden müssen. Die Forschungsarbeit “Climabau – Planen angesichts des Klimawandels” am Institut für Gebäudetechnik und Energie der Hochschule Luzern zeigt, was das für zukunftstaugliches Bauen sowohl aus Sicht der Planenden als auch der Nutzenden bedeutet.

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Wichtig sind insbesondere ein aussenliegender, bedienungsfreundlicher sommerlicher Wärmeschutz und die Möglichkeit der Nachtauskühlung. Das schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Räume im Sommer behaglich bleiben.
    
Die Studie zeigt auch, dass grossflächige Fenster bei neuen Bauten oft zu hohem Wärmeeintrag führen. Hier sehen die Forscher grosses Potenzial bei der Planung: Kleinere Fenster reduzieren nicht nur die Wärmeverluste im Winter, sondern auch den Eintrag an Wärme im Sommer. Dabei gilt es jedoch die Tageslichtsituation im Auge zu behalten.

Zu den Studienergebnissen

11.9.2018
Use Case „Integration der grauen Energie und weiterer Ökobilanzdaten in die BIM-Methodik“

Lignum und eco-bau haben sich zum Ziel gesetzt, die graue Energie in die BIM-Methodik zu integrieren. Hierfür wurde ein Use Case mit Bauen Digital gestartet. Im Zentrum steht die Frage, wie die graue Energie und weitere Ökobilanzdaten am einfachsten ins BIM integriert werden können. Damit sollen Architekten und Planer die Ökobilanzen des gesamten Bauprojekts von der Planung bis zur Realisierung optimieren können. Ausserdem wird im Rahmen des Use Case untersucht, wie bereits verfügbare Bauteilbibliotheken mit Informationen von Lignum (www.lignumdata.ch) und eco-bau (www.bauteilkatalog.ch) für die Anwendung im BIM zur Verfügung gestellt werden sollen.  

Weitere Informationen zum Use Case

25.6.2018
Nachhaltig renovieren

Wie soll die eigene Liegenschaft nachhaltig saniert werden? Das ist wohl eine Frage, die sich viele Bauherren stellen. Minergie-Eco kann dazu beitragen, ein Gebäude nicht nur energieeffizient, sondern auch ökologisch und gesund zu erneuern.

 

 

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Dabei gilt es verschiedene Fragen zu beantworten. Wichtig ist zum Beispiel, ob in der Bausubstanz Schadstoffe vorhanden sind und wie sie fachgerecht entsorgt werden können. Wichtig ist auch die Belastung der Innenraumluft mit Radon. Dieses radioaktive Gas kann sich nach Sanierungen durchaus stärker anreichern, etwa wenn Öffnungen im Untergeschoss gegen den Untergrund nicht luftdicht abgedichtet wurden.

Wird die Primärstruktur weitgehend belassen kann bei Sanierungen auf die Berechnung der grauen Energie verzichtet werden. Gleich verhält es sich beim Tageslicht, sofern die Situation vorher gut war und durch die Sanierung nicht wesentlich verschlechtert wird.

Weitere Informationen

(Grafik: Minergie)

24.6.2018
Neuer Radon-Referenzgrenzwert

Am 1. Januar 2018 wurde der bisherige Grenzwert (1000 Bq/m3) ersetzt durch einen Referenzwert von 300 Bq/m3 für die über ein Jahr gemittelte Radonkonzentration in der Raumluft.

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Räume mit > 600 Bq/m3, in denen sich Personen länger als 30 h/Woche aufhalten, müssen innert 3 Jahren saniert werden. Die Bestimmungen zum Radonschutz sind in der Strahlenschutzverordnung (StSV) festgelegt. Für die Umsetzung sind die Kantone verantwortlich.
Bei Minergie-Eco ist Radon ein wichtiges Kriterium. Bereits seit einigen Jahren hat eco-bau den Grenzwert bei Minergie-Eco bei 300 Bq/m3 festgesetzt.

Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen

24.6.2018
Wie wichtig ist graue Energie?

Im Bauwesen ist die graue Energie ein Leitindikator für die Umweltbelastung eines Bauteils oder Bauwerks beim Erstellen, dem Ersatz von Bauteilen und der Entsorgung. Bei Neubauten kann sie sogar höher ausfallen als die Betriebsenergie der gesamten Nutzungsphase.

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Wird die graue Energie konsequent berücksichtigt – also von der strategischen Planung bis zur Realisierung – lässt sie sich um bis zu 30 Prozent verringern. In  vielen Fällen werden dadurch auch die Baukosten gesenkt.

Mehr Informationen zur grauen Energie

24.6.2018
News zum Thema Tageslicht

Das Tageslicht-Tool Minergie-Eco liegt überarbeitet vor. Es wurde an die überarbeitete SIA-Norm 387/4 angepasst. Das Tool erlaubt nun die Erfassung von Fenstern in einer separaten Tabelle, so dass Räume mit mehreren Fenstern unterschiedlicher Eigenschaften nun problemlos erfasst werden können. Das vereinfacht die Simulation der Tageslichtsituation in einem Raum resp. Gebäude.

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Das Excel-Tool kann von der Minergie-Website gratis heruntergeladen werden.

In der EU wird gerade eine europäische Norm zum Tageslicht erarbeitet (EN17037 Daylight of buildings). Eco-bau verfolgt zusammen mit der HSLU und weiteren Akteuren die Normierungsaktivitäten in der EU.

(Foto: BBL/Fotograf: Tonatiuh Ambrose)

23.3.2018
Fachtagung eco-bau und NNBS 2018 - Rückblick

Wo finden im Bau gerade Innovationen statt? Welche Materialien werden in Zukunft eine grössere Rolle spielen? Was können wir von unseren Vorfahren lernen. Rund 210 Teilnehmende interessierten sich für solche Fragen und besuchten die diesjährige Fachtagung von eco-bau und NNBS am 15. März im World Trade Center Zürich.

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«Als Jahresanlass der nachhaltigen Bau-Szene haben sich unsere Fachtagungen inzwischen einen Namen gemacht», sagte Friederike Pfromm, Präsidentin von eco-bau, in Ihrer Begrüssung. Es sei wahrscheinlich der Mix zwischen Theorie und Praxis, der zum Erfolg beigetragen habe. Er verhindere, dass im luftleeren Raum bloss Zukunftsphantasien gesponnen würden und sorge dafür, dass die Teilnehmenden auch konkrete Eindrücke von innovativen Objekten nach Hause nehmen können.

Martin Hitz, Präsident NNBS, gab in seiner Begrüssung zu bedenken, dass «innovativ» nicht zwangsläufig auch «nachhaltig» bedeuten muss und auch nicht unbedingt mit Hightech gleichzusetzen sei. Die Veranstaltung werde zeigen, dass auch mit alten, teilweise etwas in Vergessenheit geratenen Konzepten und Materialien innovativ und nachhaltig gebaut werden kann.
Prof. Dr. Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen, ETH Zürich, startete einen Aufruf an die Unternehmen. Er betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung sei. Damit letztere etwas bewirke, brauche sie die Praxis und geeignete Partner. Erst wenn die Innovationen im Markt ankommen, können sie etwas für die Nachhaltigkeit bewirken.

Innovative Bauweisen – wie wird 2050 gebaut?
Holger Wallbaum, Professor für Nachhaltiges Bauen an der Chalmers University of Technologie, Göteborg, Schweden, lieferte zu Anfang einige Zahlen, die zeigten, wie gross die Aufgabe ist, die Welt nachhaltig zu machen: Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung um den Faktor 3,7; die Nutzung natürlicher Ressourcen um den Faktor 8, die Treibhausgasemissionen um den Faktor 15. China hat in den Jahre 2011-2013 soviel Beton verbaut, wie die USA im gesamten 20. Jahrhundert.

Holger Wallbaum, Professor für Nachhaltiges Bauen an der Chalmers University of Technologie, Göteborg, Schweden

Was die Situation in der Schweiz angeht: Es sei absehbar, dass sich die Ziele der Energiestrategie 2050 mit den heutigen Sanierungsstrategien nicht erreichen lassen. Eine durchschnittliche Sanierung senke den Bedarf an Betriebsenergie nur um rund 30 Prozent – nötig wären aber 75 Prozent. Hilfreich wäre hier etwa, wenn sich der Blick vom einzelnen Gebäude löse und dem Quartier oder Areal zuwende. Auch ganz generell erfordert nachhaltiges Bauen ein Denken, das weit über den eigentlichen Bauprozess hinausreicht. Dabei gehe es darum Antworten zu finden auf Fragen: Für wen bauen wir? Was bauen wir? Was brauchen wir?  Es geht um Menschen, ihre Produktivität am Arbeitsplatz, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Angesichts der Komplexität der Aufgabe könnte die durchgehende Digitalisierung über alle Bauphasen zwar helfen. Sie sei aber im Bau deutlich schwieriger umzusetzen als in anderen Branchen, weil Bauen stark arbeitsteilig, hoch komplex und sehr individualisiert ist.
Für die Zukunft des Bauens sieht Wallbaum etwa folgendes Szenario: Bis 2020 erhöhen sich die Anforderungen bezüglich Energie kontinuierlich. Beim Bestand wird vermehrt energetisch saniert statt nur instand gestellt. Beton ist dominierender Baustoff. 2030 ist die Vorfabrikation im Markt etabliert, Hybridbauweisen sind im mehrgeschossigen Bau angekommen und die Energie stammt mehrheitlich aus erneuerbaren Quellen. 2040 ist das Energieproblem gelöst. Es gibt neue Mobilitätskonzepte ohne Eigenbesitz, die ländlichen Räume werden wieder attraktiver. Die künstliche Intelligenz übernimmt Prozesse, Urban Mining findet statt und das Separieren von Baustoffen rentiert. 2050 erledigen überwiegend Roboter die Arbeiten auf dem Bau. Der Mensch wirkt nur noch im Hintergrund und wundert sich über das Planen und Bauen im Jahr 2020.

Holz und Hybridbauten neu gedacht
Holzbaupionier Hermann Blumer von Creation Holz AG präsentierte anschliessend realisierte Beispiele, die sich durch bestimmte Innovationen auszeichnen. Dazu gehören etwa komplett metallfreie Holz-Holzverbindungen oder sehr ästhetische Konstruktionen in Anlehnung an japanische Holz-Fügetechniken. Abgesehen vom reinen Holzbau macht heute der moderne Hybridbauweise von sich reden, sei es nun als Kombination von Holz mit Beton oder Holz mit Stahl. Zurzeit am gebräuchlichsten ist der Holz-Beton-Bau, bei dem der Beton zur Aussteifung und als Brandschutz dient. Holz- Stahlverbindungen erfüllen den gleichen Zweck, ermöglichen aber grössere Spannweiten. Wichtig bei dieser Bauweise sei, dass sich alle Verbindungen auch wieder trennen lassen - steckbar und zerlegbar heisst die Devise. Der Holzbau ist heute, so Hermann Blumer, stark mechanisiert und digitalisiert. Wichtig sei, dass in der Planung schon früh Simulationen mit einbezogen werden. Einer der wichtigsten Vorteile des Holzbaus wird auch künftig seine Geschwindigkeit sein. Und so schwebt Blumer vor, dass es schon bald möglich sein wird, ein Mehrfamilienhaus mit 10 Einheiten innerhalb von 20 Tagen vom ersten Plan bis zum Rohbau hochzuziehen. Das entspräche dann sinnigerweise gerade der Tragzeit des chinesischen Hamsters.

Innovativer Betonbau – neue und längst vergessene Techniken
Dass im Beton noch viel Innovationspotenzial steckt zeigte Philippe Block, Professor am Institut für Technologie in Architektur der ETH Zürich. Viele seiner Inspirationen bezieht er aus alten Techniken. Dazu gehören solche, die es den Baumeistern gotischer Kathedralen erlaubten, 30 m überspannende Gewölbe aus nur 10 cm starkem Material zu bauen. Die wesentliche Kunst dabei war einerseits, die Schwerkraft nicht nur aufzufangen, sondern sie auch zur Stabilisierung der Konstruktion zu nutzen. Andererseits verstanden es die alten Meister auch, relativ brüchige Materialien durch geeignete Formgebung – oft durch Stege - so zu versteifen, dass sie hohe Lasten tragen können. Solche konstruktiven Konzepte werden an seinem Institut aufgenommen und mit modernen Planungsinstrumenten und Herstellungsmethoden in die heutige Zeit übersetzt. Zusätzlich nutzt man auch die Möglichkeiten neuer Armierungsmaterialien und -techniken. Am Ende kommen Konstruktionen heraus, die selbst auch heutiger Sicht nicht nur hauchdünn, sondern auch fast beliebig komplex geformt sein können.

Philippe Block, Professor am Institut für Technologie in Architektur der ETH Zürich

Neue Dimension Lehmbau
Martin Rauch von Lehm, Ton, Erde aus Schlins (Vorarlberg), gehört zu den Pionieren im Lehmbau. Unter anderem am Beispiel seines eigenen Einfamilienhauses zeigte Martin Rauch, wie «modern» ein Lehmbau aussehen kann und welche Vorteile er bietet. Er hat das Gebäude aus Aushubmaterial gebaut. Es wurde bloss gesiebt, in eine Schalung eingebracht, gestampft und luftgetrocknet. Das brauchte viel Handarbeit und Zeit, sparte aber fast 40 Prozent graue Energie im Vergleich zu einem konventionellen Bau. Hier schlägt sich günstig nieder, dass der Lehm bei dieser Bauweise keine thermische Behandlung braucht und nur luftgetrocknet wird. Die Zukunft des Lehmbaus liege aber in der Vorproduktion und in klugen Materialkombinationen. Auf diese Weise könnten – ähnlich dem Holzsystembau – die Hohlräume für Rohre und Kanäle bereits auf Element-Ebene vorgefertigt werden. Auch die Dämmung lässt sich bereits vorfabrizieren – beispielsweise in Form von mit Glasschaum gefüllten Hohlräumen. Das Stampfen des Lehms könnten künftig Roboter übernehmen. Richtig geplant sei auch der Zeitfaktor beim Lehmbau kein Hindernis mehr. Was noch fehle, seien aber vor allem die Fachleute, die wüssten, wie mit Lehm zu bauen sei. Natürlich brauche es auch mehr Firmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und noch mehr Wissen um diesen alten Baustoff.

Einen Schritt voraus – neue Bauweisen im Hunziker Areal
Andreas Hofer, Leiter Innovation und Forschung bei der Genossenschaft «Mehr als wohnen», Zürich, ist vor über 10 Jahren an die Planung der Grossüberbauung Hunziker-Areal mit dem Vorsatz herangegangen, eine Pilotsiedlung mit möglichst vielen Innovationen zu bauen. Während der prozesshaften Planung mit vielen Beteiligten wurde intensiv über neue Konzepte, Materialien, hybride Deckensysteme, Erdbebensicherheit und Gebäudetechnik diskutiert. Schliesslich einigte man sich darauf, die Mehrheit der Gebäude als konventionelle, aussen gedämmte Massivbauten zu bauen. Ergänzend dazu gab es zwei Holzhäuser und einen Monolithen aus Porothermstein ohne Zusatzisolation. Entstanden sind so 13 Häuser, in denen je an die 100 Menschen leben. Im Mittelpunkt der Entscheidungen stand immer die Frage: Was brauchen wir wirklich, was können wir auch mit weniger Material machen? Gesucht wurden daher eher einfache, robuste Systeme und weniger Hightech-Produkte. Die optimierte Grösse der Gebäude half zum Beispiel, Gebäudetechnik einzusparen. Das Ergebnis: Die Überbauung ist als 2000-Watt-Areal im Betrieb zertifiziert und hinsichtlich der Energiekennzahlen entspricht es den Anforderungen höchster Energie-Standards. «Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, geht es nicht nur um Hardware, also den Bau selbst. Es braucht Managementsysteme, Kommunikation, Reporting-  und Monitoring-Systeme, um im Betrieb beurteilen zu können, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt» fasste Andreas Hofer seine Erfahrungen zusammen.

Andreas Hofer, Leiter Innovation und Forschung bei der Genossenschaft «Mehr als wohnen», Zürich

Ein mögliches Fazit der Veranstaltung: Innovatives Bauen braucht nicht unbedingt Hightech-Lösungen. Viele interessante Ansätze lassen sich schon in der Baukunst unserer Vorfahren finden. Aus ihren Konzepten lassen sich mit heutigen Werkzeugen und Materialien innovative und nachhaltige Bauweisen entwickeln.

Am Nachmittag gab es  drei parallele Workshops zu Hybridbauweise, integraler Planung mit BIM und zum Bauen in Zeiten des Klimawandels. Je eine Exkursion führte ins nahe gelegene Hunziker-Areal und an den Campus ETH Zurich Hönggerberg, wo das ArchTecLab und das House of natural Resources besichtigt werden konnten. Dies bot den Teilnehmenden Gelegenheit für vertiefte Diskussionen über zukunftstaugliches Bauen. Die nächste Fachtagung findet am 28. März 2019 statt.

Zu den Referaten

7.2.2018
Eco-bau an der Swissbau – ein Rückblick

Der erste Auftritt von eco-bau an der Swissbau darf als Erfolg gewertet werden. Am Informationsstand fanden sich viele Besucher ein, die sich für unsere Konzepte und Instrumente interessierten. Es konnten auch wertvolle Kontakte geknüpft oder aufgefrischt werden.


Die beiden Veranstaltungen, die eco-bau zusammen mit Partnern im Rahmen des Swissbau Focus organisiert hatte, waren gut besucht. Sie lieferten spannende Einsichten zum Innenraumklima und zur Wechselwirkung zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

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Infostand von eco-bau an der Swissbau18, hier betreut vom Vizepräsidenten, Beat Wüthrich

Innenraumklima – was Planer und Betreiber voneinander lernen können
Um das Innenraumklima ging es bei der Focus-Veranstaltung, die eco-bau zusammen mit SGNI organisiert hat. Dabei wurden die Abweichungen zwischen geplantem und im Betrieb real vorhandenem Innenraumklima unter die Lupe genommen. Dieser sogenannte Indoor Performance Gap wurde in verschiedenen Studien immer wieder festgestellt.

Geschäftsführerin Barbara Sintzel im Gespräch mit Andreas Baumgartner, Technischer Sekretär NNBS

Barbara Sintzel, Geschäftsführerin von eco-bau, begrüsste die Referenten und eröffnete die Veranstaltung. Danach beleuchteten Lukas Windlinger, Professor am Institut Facility Management der ZHAW und Sebastian El Khouli, Mitglied der Geschäftsleitung bei BGP Bob Gysin + Partner Architekten, Zürich, das Thema jeweils aus ihrer eigenen Sicht. Über allem stand die Frage, was Betreiber und Planer voneinander lernen können.
Vorauszuschicken ist, dass beide Referenten unter Innenraumklima viel mehr als nur Temperatur, Feuchte und Schadstoffgehalt der Luft verstehen. Bei ihnen gehören auch Tageslichtversorgung, Lärm, Oberflächenbeschaffenheit, Farben und weiteres dazu, also alles, was das Wohlbefinden der Nutzer beeinflussen kann.
Lukas Windlinger präsentierte Resultate aus Studien seines Instituts. Sie hatten zum Ziel, die Zufriedenheit von Arbeitnehmenden mit ihrem Arbeitsplatz und den Einfluss des Raumklimas darauf zu ergründen. Wie sich zeigte, lässt sich der Einfluss des Innenraumklimas auf die Zufriedenheit von Mitarbeitenden aber kaum über objektive Messwerte fassen. Zudem ist das Innenraumklima nur ein Faktor unter vielen, wenn es um die Zufriedenheit am Arbeitsplatz geht.

Lukas Windlinger von der ZHAW bei seinem Referat

Nutzer schon bei der Planung einbeziehen
Komfort an Arbeitsplätzen wird sehr subjektiv bewertet. Das heisst: Ein gutes Innenraumklima lässt sich mit den heute vorhandenen Normen und Standards nur bis zu einem gewissen Grad planen. Wie es von den Nutzenden wirklich empfunden wird, zeigt erst der Betrieb. Als wichtige Faktoren konnten Privatheit/Akustik, Temperatur, Licht, Aussenbezug und Ästhetik identifiziert werden. Anhand der Studienresultate leitete Lukas Windlinger folgende Empfehlungen zuhanden von Bauherren und Gebäudebetreibern ab:

  • Standardisierte Qualitätssicherungsinstrumente wie Zertifizierungen und Normen zur Innenraumqualität sind zwar wichtig. Mindestens ebenso wichtig wäre es aber, die Bedürfnisse der Nutzer schon bei der Planung abzuklären und mit einzubeziehen.
  • Nur die Systemsicht auf das Gebäude erlaubt ein realitätsnahes Verständnis und ermöglicht effektive Massnahmen beim Innenraumklima (ganzheitliche Analyse und Gestaltung)
  • Eine gute Grundlage für komfortable, gesunde und leistungsfördernde Bürogebäude bietet eine nutzerorientierte Bedarfsanalyse. Das darauf basierende Bürokonzept sollte im Betrieb kontinuierlich evaluiert und optimiert werden.

Sebastian El Khouli erläuterte an realisierten Projekten, wie er als Architekt versucht, die Voraussetzungen für ein gutes Innenraumklima zu schaffen. Dabei deckte er viele Aspekte ab, die auch seinem Vorredner wichtig sind. Es geht also um eine gute Tageslichtversorgung, um thermisches Wohlbefinden, den Bezug zur Aussenwelt und die Raumkonzepte. Relevant sind auch Materialien, ihre Oberflächen und Farben.
Für all diese Aspekte zeigt er kreative und innovative Lösungen. So lassen klug platzierte Fenster die richtige Menge Tageslicht ins Gebäude, ohne dass sich der Innenraum im Sommer zu stark erwärmt. Ein gut gelöstes Atrium versorgt das Gebäude nicht nur mit Licht und Luft, sondern ermöglicht auch die passive Kühlung in der Nacht. Dabei helfen automatische Lüftungsflügel und ein gut aktivierbarer Betonkern.

Sebastian El Khouli bei seinem Referat

Gebäude als Gesamtsystem betrachten
Einen wesentlichen, aber auf den ersten Blick nicht ersichtlichen Beitrag zu einem guten Innenraumklima können flexible Gebäudestrukturen schaffen. Sie erlauben es nämlich zu reagieren, wenn sich im Alltag zeigt, dass die Nutzer sich anders verhalten als geplant. Auch die künstliche Beleuchtung bietet Raum für Verbesserungen beim Innenraumklima. Wenn sie gegen Abend Licht mit höherem Rotanteil liefert, unterstützt sie den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus der Nutzenden - die LED-Technik macht‘s möglich. Besonders nützlich sind solche Lichtszenarien etwa in Alters- und Pflegeheimen.
Auch El Khouli plädierte dafür, das Gebäude als Gesamtsystem zu betrachten, mit vielen Wechselwirkungen, Widersprüchen und Synergien. Die Aufgabe der Architekten sei es, sie so zu beherrschen, dass das Gebäude im Betrieb auch genügend Freiheiten für Optimierungen bietet.
Die Referenten waren sich einig, dass sich Investitionen für ein gutes Innenraumklima auf jeden Fall lohnen. Betriebswirtschaftlich gesehen machen Planung und Bau über den ganzen Lebenszyklus gesehen nur einen kleinen Teil der Kosten eines Gebäudes aus. In diesem Zusammenhang wies Sebastian El Khouli auch darauf hin, dass das Bauen mit gesundheitlich guten Materialien nicht teurer sein muss als mit Standardmaterialien.

Die Präsentationen:

Architektur für ein gesundes Innenraumklima
Sebastian El Khouli, Mitglied der Geschäftsleitung bei BGP Bob Gysin + Partner Architekten, Zürich

Subjektive und objektive Innenraum-Qualitäten
Lukas Windlinger Inversini, Professor an der ZHAW im Institut Facility Management
 

Podium

Kann die Digitalisierung die Nachhaltigkeit fördern?
Um die Frage, ob Digitalisierung die Nachhaltigkeit des Bauens fördern kann, ging es beim Podiumsgespräch, das eco-bau zusammen mit dem CRB und dem NNBS im Rahmen des Swissbau Focus organisiert hat. Es diskutierten: Michel Bohren, Direktor CRB, Dimitrios Gyalistras, Synergy BTC AG, Jürgen Schade, Porr Suisse AG, Frank Thesseling, Hochschule Luzern. Für den krankheitshalber verhinderten Werner Binotto vom Hochbauamt St. Gallen sprang als Vertreterin der öffentlichen Bauherren Friederike Pfromm, Präsidentin von eco-bau, ein. Moderiert hat Marianne Stähler von der Geschäftsstelle eco-bau.
Schon die Kurz-Statements zu Beginn machten die Standpunkte mehr oder weniger klar. Während die Vertreter von CRB, Porr und der Hochschule Luzern vor allem die Chancen der Digitalisierung betonten, mahnten Friederike Pfromm und Dimitrios Gyalistras auch die Risiken an. Jürgen Schade formulierte es so: „Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, also ist es besser, von Anfang an vorne dabei zu sein statt später hinterher zu rennen“. Interessant sei vor allem die Aussicht, schneller und besser bauen zu können. Frank Thesseling erwartet, dass die Digitalisierung die Planenden von der steigenden Komplexität des Bauens entlasten könne und ihnen so mehr Freiraum für die Suche nach zukunftsfähigen Lösungen schenkt.
Friederike Pfromm gab zu bedenken, dass die öffentlichen Bauherren der Digitalisierung eher skeptisch begegnen, wenn sie zu hochtechnischen Gebäuden führt. Die seien erfahrungsgemäss oft teurer im Betrieb als alte, „analoge“. Wenn die Digitalisierung zudem über die Bauphase hinausgehe, stelle sich rasch die Frage, was mit den Daten passiere, die beim Betrieb anfallen. Weil sie meist Rückschlüsse auf das Verhalten der Nutzer zulassen, seien sie hinsichtlich Datenschutz kritisch.  Hier sah auch Dimitrios Gyalistras das Problem. Er ging gar soweit, die Digitalisierung als anrollenden Tsunami zu bezeichnen, der kaum noch zu beherrschen sei.

Digitalisierung = Tsunami?
Das rief Michel Bohren auf den Plan. Die Digitalisierung könne durchaus gestaltet werden, was bei einem Tsunami ja nicht der Fall sei. Pfromm wies indessen darauf hin, dass es gerade beim Datenschutz an politischem Gestaltungswillen fehle. Im Parlament jedenfalls werde der Diskurs bei weitem nicht mit der erforderlichen Intensität geführt.
Tesseling stellt fest, dass selbst seine Studierenden langsam Angst vor zentraler Datensammlung bekommen. Das sei insofern ein gutes Zeichen, als diese Generation bisher ja als eher leichtsinnig im Umgang mit Daten gilt. Auch die Industrie lenke langsam ein und verlagere die Datenverarbeitung von den Grossen Cloud-Rechenzentren wieder zurück in die Geräte.
Aus Sicht des Bauunternehmens, wandte Jürgen Schade ein, stelle sich die Frage nach Privatheit eigentlich gar nicht. Hier gehe es im Wesentlichen um technische Daten zu Baumaterialien oder zur Gebäudetechnik. Schon diese Daten können einen grossen Nutzen generieren, wenn sie in geeigneten Modellen gehalten und bewirtschaftet werden. Deshalb achte sein Unternehmen darauf, dass seine Kundschaft Gebäude mit BIM bestelle.

Jürgen Schade (li.) und Michel Bohren

Was passiert mit Daten aus dem Betrieb?
Das digitale Bauen allein sei tatsächlich eher unproblematisch, ergänzte Friederike Pfromm.  Sobald aber schon nur der Wärme oder Stromverbrauch des Gebäudes erfasst und zentral ausgewertet werde, fangen die Probleme an. Aus diesen Daten lassen sich bereits schon recht scharfe Nutzerprofile gewinnen.
Eine grosse Chance für die Digitalisierung sieht Thesseling in der Partizipation im Planungs- und Bauprozess. Die durchgehende Digitalisierung dürfte hier das interdisziplinäre Arbeiten deutlich erleichtern, was sicher der Qualität zugutekomme. Das liess auch Dimitrios Gyalistras gelten – die Digitalisierung erleichtere ja auch die Integration von Systemen. Die Kehrseite aber sei, dass sie Begehrlichkeiten weckt. Denkbar wäre etwa, dass Versicherungen Rabatte auf für Nutzer gewähren, die bereit seien, bei sich zu Hause Infrarotsensoren zur Brandprävention zu installieren. Das sei vom Gedanken der Sicherheit durchaus sinnvoll, liefere aber zwangsläufig auch sensitive Daten über die Nutzer. Auf den Einwurf, die Nutzer könnten ja selbst entscheiden, ob ihnen Privatheit oder Geld wichtiger sei, entgegnete Gyalistras: „Wie soll die Grossmutter entscheiden, ob ein Infrarotsensor in ihrer Umgebung ein Problem sein könnte?“ Hier sei der Gesetzgeber gefordert.

Zum Beispiel Bauteil-Recycling und bessere Raumauslastung
Aus dem Publikum kam die Bitte, noch etwas konkretere Beispiele zu nennen, wie die Digitalisierung die Nachhaltigkeit fördern könne. Von Bohren kam der Gedanke, mit BIM-Daten eine Internetplattform zu bauen, die zeigt, welche Bauteile in Rückzubauenden Gebäuden stecken. Das würde die Wiederverwertung von Baumaterialien fördern.
Friederike Pfromm sieht Potenzial darin, die Auslastung von öffentlichen Gebäudenutzung zu verbessern. Dies erlaube es vielleicht wegzukommen vom Bau immer mehr spezialisierter Gebäude, die die meiste Zeit leer stünden. Vielleicht könne man am Ende gar weniger bauen. Das würde insofern helfen als das nachhaltigste Gebäude ja das sei, das gar nicht gebaut werde.
Thesseling sieht Potenzial darin, die Wärmeerzeuger mit Wetterdaten vorausschauend zu steuern. Damit liesse sich im Vergleich zur üblichen Regelung mit Aussen- und Innensensoren nicht nur Energie sparen, sondern auch der Komfort verbessern.
Eine Besucherin fragte, ob man eigentlich schon wisse, ob sich angesichts der rohstoff- und energieintensiven Herstellung von digitalen Komponenten überhaupt mehr Nachhaltigkeit gewinnen lasse. Man wisse heute, dass die Digitalisierung, wenn sie richtig betrieben wird, durchaus ökologische Vorteile bieten könne, antwortete Dimitrios Gyalistras. Ob die aber auch die gesellschaftlichen Risiken aufwiegen, sei hingegen nicht klar. Das liege vor allem daran, dass heute nicht klar sei, wem die Daten gehören, ergänzte Friederike Pfromm. Das sei eine grosse Hypothek, die wir den kommenden Generationen hinterlassen.

Frank Thesseling (li.), Friederike Pfromm (mi.), Jürgen Schade und Michel Bohren (re.)

Fazit
Mit Blick auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit lässt sich das Podiumsgespräch etwa so zusammenfassen: Umwelt und Wirtschaft könnten durch die Digitalisierung gewinnen. Bei der Gesellschaft hingegen ist das zurzeit zumindest für die Betriebsphase weniger klar. Hier brauchte es zuerst eine gesellschaftliche und politische Diskussion, was die Nutzung der anfallenden Daten und den Schutz der Privatsphäre betrifft.

 

Quick-Links

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