2019 - Design to Perform

An der diesjährigen Fachtagung Nachhaltiges Bauen unter dem Titel «Design to Perform: Nachhaltige Gebäude für zufriedene Nutzer» beschäftigten sich hochkarätige Referenten aus Wirtschaft, Forschung und öffentlicher Verwaltung mit der Frage, wie die Bedürfnisse von Gebäudenutzern in die Bauplanung einbezogen werden können.

Eröffnet wurde die Tagung von Stadtpräsident Alec von Graffenried, der sich bei den Veranstaltern für deren Themenwahl bedankte. Danach präsentierte je ein Vertreter der fünf Träger eine These zum Planen und Betreiben von nutzergerechten und nachhaltigen Gebäuden. Dr. Beat Wüthrich, Vizepräsident eco-bau, rief dazu auf, das Wissen der Nutzer über den ganzen Planungsprozess hinweg einzusetzen. Martin Stocker, Vizepräsident NNBS, forderte, nachhaltiges Bauen gesamtheitlich zu denken und brach eine Lanze für BIM. Marc Mächler, Präsident Minergie, betonte, dass Nachhaltigkeit im Einklang mit Komfort stehen müsse. Amadeo Sarbach, Präsident CRB, sagte, dass Normen und Standards keineswegs die Gestaltungsfreiheit einschränken müssen. Und Prof. Stephan Wüthrich von der Berner Fachhochschule unterstrich die Bedeutung einer durchgängigen Kommunikation in Projekten. 

Motivierende Arbeitsumgebungen 
Als erster Hauptreferent ging Stefan Camenzind, Geschäftsführer von Evolution Design, der Frage nach, was optimales Arbeiten heisst. Seine Hauptthese: «Design ist eigentlich gar nicht so wichtig.» Zentral sei vielmehr eine Arbeitsumgebung, die vom Kundenbedürfnis her entwickelt wird. Zur Illustration stellte er die Umgestaltung des Firmengebäudes der Puls Vario GmbH in Wien vor. Nach einer eingehenden Analyse der Arbeitsschritte wurden vier Zonen geschaffen, die das Arbeiten optimal unterstützen: Retreat, Dialog, Create und Share. Entscheidend für die gute Arbeitsplatzgestaltung ist seiner Meinung nach, dass die Arbeitswelt empirisch-wissenschaftliche untersucht wird.


Stefan Camenzind, Evolution Design, erklärt, was heute als gute Arbeitsumgebung gilt. (Foto: GianVaitl)

Bedarf planen, Performance evaluieren
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Schramm von der Fachhochschule Bielefeld rückte die nutzerorientierte Bedarfsplanung ins Blickfeld. Sie stehe am Anfang eines mehrphasigen Prozesses. Eine grosse Hilfe bieten hierbei die systematische Gebäudeevaluation. Werden die Resultate richtig in die Planung eingespeist, können bedeutende Qualitätsverbesserungen erzielt werden. Wie sich die Befragungsergebnisse von Nutzern für Verbesserungen umsetzen lassen, illustrierte er am Beispiel eines Neubaus am Campus Minden.

Erfolgsfaktor Bestellung
Der Berner Kantonsbaumeister Angelo Cioppi ging auf die Herausforderung bei der Portfoliobewirtschaftung in der öffentlichen Verwaltung ein. Sein Credo: «Wir bauen für unsere Nutzer.» Um flexible, zukunftsfähige Gebäude zu erhalten, setzt der Kanton Bern stark auf Systemtrennung. Wichtig sei auch, von Anfang an strategische Freiflächen in das Projekt einzuplanen. Unterschätzt werde meist auch der Einfluss der Projektleitung. Dass eine Bestellung erfolgreich abgeschlossen werden kann, hänge nicht zuletzt auch davon ab, ob man eine geeignete, erfahrene Schlüsselperson im Projekt hat.

Drei Praxisbeispiele aus Bern
Anhand dreier Projekte aus der Praxis ging es anschliessend um die konkrete Umsetzung des Nutzerfokus. Donat Senn, Geschäftsleiter GWJ Architektur AG, präsentierte das Neubauprojekt Herz- und Gefässzentrum Inselspital Bern. Die Planer unterteilten den Bau nach Funktionen: Da die Anforderungen für den Behandlungsbereich (unten im Gebäude) und die Pflege (oben im Gebäude) unterschiedlich sind, entschied man sich, unten auf grosse Grundflächen zu setzen, während man oben auf eine möglichst grossflächige Fassadenanbindung mit viel Tageslicht achtete. 


Donat Senn, Geschäftsleiter GWJ Architektur, präsentiert das geplante Herz- und Gefässzentrum des Inselspitals Bern. (Foto: GianVaitl)

Beim zweiten Beispiel ging es um die erste autofreie Wohnsiedlung der Schweiz. Wie der an der Planung beteiligte Architekt Hanspeter Bürgi von Bürgi Schärer Architekten AG sagte, hat die Siedlung «Burgunder» gewisse Entwicklungen vorweggenommen. So sei sie unter Mitwirkung der Nutzenden entstanden und zu einem Pionierprojekt des autofreien urbanen Wohnens avanciert. 

Schliesslich erörterte Harald Schroedl von Losinger Marazzi anhand des Bürobaus Espace Post, wie bedarfsgerechtes Bauen im Bürobau erreicht werden kann. Auch er plädierte für einen möglichst frühen Einbezug der Nutzer. Im Falle des Espace Post war dies ab dem Rohbau der Fall. Schroedel stellte aber auch die Hypothese in den Raum, dass Normen die eigentlichen Nutzerbedürfnisse in der Planung übersteuern und damit zur Überdimensionierung von gebäudetechnischen Anlagen führen können. Das machte er unter anderem an den effektiven Verbrauchswerten für die Kühlung fest. Die lagen durchs Band deutlich tiefer als sie gemäss den Normen sein müssten. 

Am Nachmittag gab es vier parallele Workshops zu verschiedenen Themen. Zwei Exkursionen führten zur Siedlung «Burgunder» und zum Post-Hauptsitz «Espace Post». Die Besichtigungen boten Gelegenheit, die Grundsätze des bedürfnisgerechten und nachhaltigen Bauens zu vertiefen. 

Ein mögliches Fazit der Veranstaltung: Zukunftsfähiges Bauen erfordert flexible Gebäudekonzepte und vor allem den frühen Einbezug der Nutzer.

Schauen Sie sich mehr Impressionen und Informationen zur Fachtagung an.

Schlussbild mit allen Trägern und Rednern. Herzlichen Dank an alle für den Einsatz. (Foto: GianVaitl)

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