Eco-BKP 2019


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Material/Prozess Vorgaben Hinweise/Quellen

Eco-BKP 250: Sanitäranlagen

 

Allgemeines

 

Verwendung von Regenwasser

Im Rahmen eines Konzepts zum Umgang mit Regenwasser ist die Grauwassernutzung (Gewerbliche Nutzung, WC-Spülung, Bewässerung etc.) zu prüfen.

Minergie-Eco Vorgabe G5.010

Wassersparkonzept

Bei Sanitärapparaten und Aulaufarmaturen sind Produkte zu wählen, welche einen effizienten Wassereinsatz ermöglichen.

Armaturen: WELL-Label oder Sanitärdatenbank
WC-Spülsysteme und Urinale: WELL-Label
Stark frequentierte Anlagen: Armaturen mit Annäherungs-Automatik oder Zeitsteuerung (Duschen)
Gewerbliche Küchen, Wäschereien: Armaturen mit "Energy" oder "ecototal-inside" Label, Geräte mit "Energy Star" Label.

Minergie-Eco Vorgabe G5.010

Leitungsführung

Zugängliche und kontrollierbare Leitungsführung (nach Möglichkeit offene Leitungsführung).

Minergie-Eco Vorgaben G3.010, G3.020

Legionellen

In Gebäuden mit mittlerem und hohem Risiko (gemäss SIA-Norm 385/1, 3.1) muss das Trinkwasser, das bei einer Temperatur von 25°C bis 50°C während mehr als 24 Stunden nicht genutzt wird, während einer Stunde auf mehr als 60°C erwärmt werden können. In Gebäuden mit geringem Risiko wird dies nur empfohlen.
Die Warmwasserversorgung ist so auszulegen, dass 60°C am Ausgang des Wassererwärmers, 55°C in den warm gehaltenen Leitungen und 50°C an den Entnahmestellen erreicht werden können.
Warmwasserbehälter müssen regelmässig gereinigt und entkalkt werden. Sie haben dafür geeignete Öffnungen aufzuweisen.
Kaltwasserleitungen sind so zu installieren und zu dämmen, dass eine Kaltwassertemperatur von höchstens 20°C erreicht wird.
Im Warmwasserverteilsystem darf keine unbenutzte Leitung vorhanden sein, die mit Wasser gefüllt ist. Selten benutzte Entnahmestellen müssen regelmässig gespült werden.

Mittleres Risiko: Spitäler ohne Intensivstation, Alters-, Kranken- und Pflegeheime, Kindergärten und –Krippen, Schulhäuser mit Turnhalle, Hallenbäder, Heime und Gefängnisse;
Geringes Risiko: Kantinen, Schulhäuser, Wohn- und Bürogebäude (ohne EFH's).
Bei Kaltwasserleitungen ist eine Erwärmung durch parallel laufende Warmwasser- oder Heizungsleitungen zu vermeiden.
Unbenutzte Leitungen entstehen vor allem bei der nachträglichen Stilllegung von Entnahmestellen.

Minergie-Eco Vorgabe I2.010

Wasserqualität, Trinkwasserhygiene

Wasserqualität ermitteln (pH-Wert, Wasserhärte, Chlorid- und Sulfatgehalt u.a.) als Entscheidungsgrundlage zur Material- und Systemwahl der Trinkwasserrohre.
Um die Hygiene zu gewährleisten, ist die Installation so zu planen und zu betreiben, dass Stagnation vermieden wird und das Trinkwasser regelmässig erneuert wird (z.B. mit Hygienespülungen).

Rohre aus Kupfer oder verzinktem Stahl können Schwermetalle an das Trink- bzw. Abwasser abgeben.

Auslegung Warmwasseranlage

Die Auslegung und die Ausstosszeiten der Warmwasseranlage entsprechen den Anforderungen der SIA-Norm 385/2.

Neuinstallationen

 

Versorgungsleitungen (426.01)

Leitungen mit Klemm-, Steck-, Press- oder Schweissverbindungen.
Hausanschlüsse: Polyethylenrohre (PE)
Kellerverteilung/Steigleitungen: nichtrostende Stähle, Metallverbundrohre (PE/Alu/PE), Polybuten (PB) mit Tragschale.
Stockwerksverteilung:

1. Priorität: Polybuten (PB), Polypropylen (PP).

2. Priorität: vernetztes Polyethylen (PE-X), Metallverbundrohre (PE/Alu/PE), nichtrostende Stähle (CNS).

Kunststoffrohre dürfen keine gesundheits- und umweltrelevanten Bestandteile enthalten. Dies lässt sich anhand der Eco-Produkteliste oder dem SIA-Deklarationsraster überprüfen.

Entsorgungsleitungen (427.01)

1. Priorität: Polypropylen PP.

2. Priorität: Polyethylen PE, nichtrostende Stähle (Spezialanwendungen).

Kunststoffrohre und Rohre aus nichtrostendem Stahl benötigen gegenüber Gussrohren deutlich weniger Herstellungsenergie.
Spezialanwendungen sind z.B. Laborbau (korrosive Abwässer).
Kunststoffrohre dürfen keine gesundheits- und umweltrelevanten Bestandteile enthalten. Dies lässt sich anhand der Eco-Produkteliste oder dem SIA-Deklarationsraster überprüfen.

Schallgedämmte Entsorgungsleitungen (427.02)

1. Priorität: Polypropylen PP mineralstoffverstärkt.

2. Priorität: Polyethylen PE mineralstoffverstärkt.

nicht empfohlen: Bleihaltige Schalldämm-Matten.

Für vertikale Entsorgungsleitungen über 3 m Länge sind schalldämmende Materialien (z.B. PE-Silent) und körperschalldämmende Befestigungen zu wählen.
Kunststoffrohre dürfen keine gesundheits- und umweltrelevanten Bestandteile enthalten. Dies lässt sich anhand der Eco-Produkteliste oder dem SIA-Deklarationsraster überprüfen.
Bleihaltige Materialien sind für Mensch und Umwelt toxisch.

Minergie-Eco Ausschlusskriterium A2.030

Schalldämmung von Armaturen und Apparaten

Alle fest montierten Sanitärapparate werden mit Schallschutz-Sets befestigt. Die Auslaufarmaturen entsprechen der Geräuschklasse 1.

Installationen ausserhalb der Zonen für den ständigen Aufenthalt von Menschen und frei aufgestellte Geräte fallen nicht unter diese Vorgabe.

Minergie-Eco Vorgabe S3.020

Dämmung von Sanitärinstallationen (Wärme, Schwitzwasser und Schall)

Warmwasser-Installationen: Mineralwolle oder halogenfreie Kunststoffschäume.
Kaltwasser-Installationen: Halogenfreie Kunstoffschäume.
Entsorgungsleitungen: Halogenfreie Kunststoffschäume.

nicht empfohlen: Bleihaltige Schalldämm-Matten.

Bei der Dimensionierung sind die kantonalen Wärmedämmvorschriften zu beachten. Zur Verklebung sind Kleber ohne Lösemittel (max. 1%) oder wasserverdünnbare Kleber zu verwenden.

Minergie-Eco Ausschlusskriterium A2.030

Ummantelung

Alufolie gitternetzverstärkt, Alufolie stucco-geprägt oder Alu/PET-Folie.

Ummantelung ist nur in regelmässig genutzten Räumen erforderlich.

Armaturen und Apparate

Waschtischarmaturen mit der Energieetikette Klasse A oder WELL-Label Klasse A, Duscharmaturen und Brausen mit der Energieetikette Klasse A oder B oder WELL-Label Klasse A oder B.
Stark frequentierte Anlagen: Waschtischarmaturen mit Annäherungs-Automatik und Stromverbrauch <0.3 W, zeitgesteuerte Duscharmaturen.

Minergie-Eco Vorgabe G5.010

Die Energieetikette bewertet den Energieverbrauch, das WELL-Label zusätzlich den Komfort.
Listen wassersparender Armaturen und Duschbrausen:

WC- und Urinal-Spülsysteme

WC-Spülsysteme mit WELL-Label Klasse A oder 2-Mengen-Spülung (Spülmenge gross: 6 Liter, Spülmenge klein: max. 3 Liter).
Wasserlose Urinalanlagen, 1-Liter-Urinale oder Urinal-Spülsysteme mit WELL-Label Klasse A.

Minergie-Eco Vorgabe G5.010

Bei Inbetriebnahme von WC-Spülsystemen ist das Spülventil auf die korrekte Spülmenge einzustellen.

Badewannen- und Duschentassenträger

Systeme bzw. Produkte ohne Verwendung von Montageschaum.

Minergie-Eco Ausschlusskriterium A2.010

Sanierung

 

Verrostete Trinkwasserleitungen

Aufputzleitungen: Rohre auswechseln.
Unterputzleitungen: Spezialfirma für Entrostung und Beschichtung beauftragen.

Verkalkte Trinkwasserleitungen

Zuerst genau prüfen, wo es Kalkablagerungen gibt, evtl. an einer Stelle die Rohrleitung auftrennen. Falls die Leitungen wirklich entkalkt werden müssen: unbedingt Spezialfirma beauftragen. Siebe, Boiler etc. sind mit üblichem Haushaltentkalker zu behandeln.

Bei unsachgemässer Behandlung kann das Leitungsmaterial beschädigt werden.

Montage, Abdeckarbeiten

 

Abdichten bzw. Dämmen von Durchführungen und Hohlräumen

Seiden- oder Mineralfaserzopf, Rundschnur aus Schaumstoff.

nicht empfohlen: Montage- und Füllschäume.

Minergie-Eco Ausschlusskriterium A2.010

Abdichten mit Fugendichtungsmasse

Im Innenraum: Produkte mit Emicode EC1 bzw. EC1plus Label, Kennzeichnung eco-1 bzw. eco-2 oder Produkte ohne Lösemittel (max. 1%) oder wasserverdünnbare Produkte.
Im Trockenbereich: Produkte ohne Fungizide.

nicht empfohlen: lösemittelverdünnbare Produkte.

Neutral vernetzende Silikonharz-Produkte können bei der Aushärtung stark gesundheitsgefährdende Substanzen abspalten.

Minergie-Eco Ausschlusskriterium A1.050

Verwertung/Entsorgung

 

Metallverbundrohre

Verwertung über Baustoffhandel.

Kunststoffrohre

Verwertung von sauberem Material durch kunststoffverarbeitende Betriebe.

Liste der Kunststoffrecycling-Betriebe:

Waschbecken, Badewannen, Duschen, Toiletten

1. Priorität: Wiederverwendung über Bauteilbörse.

2. Priorität: Keramik: Inertstoffdeponie; Metalle: Verwertung via Baustoffhandel; Kunststoff: Verbrennung in KVA.

Wassererwärmer

Ohne Trennung auf der Baustelle: fachgerechte Verwertung nach VREG (keine Rücknahmepflicht durch Hersteller, Importeure oder Händler); sonst: Entsorgung von Dämmstoff und Metallteilen siehe oben.

Feuerlöschgeräte und -anlagen mit Halon

Spezialentsorgung oder Verwertung durch Herstell- bzw. Lieferfirma.

Halon ist ein Gas, welches zum Ozonschichtabbau und zum Treibhauseffekt beiträgt.

Reste von Entrostern und Frostschutzmitteln

Falls Sonderabfall (produkteabhängig): Entsorgung gemäss VeVA; ansonsten Entsorgung gemäss den kantonalen Richtlinien.

Bleifolien

Verwertung über Baustoffhandel.

Elektronische Komponenten

Fachgerechte Entsorgung nach VREG (keine Rücknahmepflicht durch Hersteller, Importeure oder Händler)

z.B. elektronische Steuerungen von WC-Anlagen, Urinalen, Waschtischarmaturen, Duschen etc.

Weitere Vorgaben in anderen ECO-BKP

 

Abbrüche/Rückbau

Wiederverwendung, Verwertung und Entsorgung.

Spez. Dichtungen und Dämmungen

Abdichtungen (Fugendichtungsmassen, Vergussmassen, Vorbehandlungen).

Elektroanlagen

Haushaltgeräte (Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner etc.).

Kücheneinrichtungen

Küchenmöbel, Haushaltgeräte (Backöfen, Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler, Dunstabzugshauben, Kaffeemaschinen)

Schreinerarbeiten

Küchenmöbel: Schränke, Flächenbeläge.