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Fachtagung eco-bau und NNBS 2017 - zusammengefasst

Fachtagung eco-bau/NNBS Impressionen

Der Saal im Kongresszentrum des Basler St.-Jakob-Stadions war ziemlich ausverkauft, als die Eco-bau-Präsidentin Friederike Pfromm und NNBS-Präsident Martin Hitz die Gäste begrüssten. Rund 250 waren diesmal gekommen, um Antworten auf die Frage: „Sanierung, Umnutzung oder Ersatzneubau?“ zu erhalten.

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Die Sicht des Immobiliendienstleisters
Auf Pfromm und Hitz folgten die Grussworte von Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbauamts Kanton Basel-Stadt, und von Olivier Meile, Bundesamt für Energie. Als erster Referent erläuterte Daniel Grando, Leiter Development Consulting Halter Immobilien, wie er als Immobiliendienstleister an das Thema herangeht. Seine Erfahrung ist, dass in der Planung grundsätzlich viel zu schnell auf eine bauliche Lösungen hingesteuert wird. Deshalb erarbeitet er für eine Bestandesliegenschaft jeweils eine Strategie, auf der die Planung aufbauen kann.

Fachtagung eco-bau/NNBS: Friederike Pfromm
Friederike Pfromm begrüsst die Tagungsteilnehmer

Dabei geht er wie folgt vor: Als Erstes werden die Potenziale eruiert, beispielsweise hinsichtlich Kosten, Risiken, Erträgen, Wert und Ökologie. Danach werden Varianten erarbeitet. Je nach Liegenschaft können die vom „Weiterbetrieb“ über „geringfügige Sanierung“, „umfassende Sanierung mit Erweiterung“ bis zum Ersatzneubau reichen. Diese Varianten werden dann bewertet, und zwar unter Berücksichtigung des ganzen Lebenszyklus. Das fängt beim Grundstück und seinem Kontext an, führt über Aspekte wie Flächeneffizienz, Energie, Ökologie bis zu den Lebenszykluskosten. Basierend auf dieser Bewertung wird eine Variante zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen. Dieses Konzept lässt sich auf Einzelobjekte und auch auf ganze Portfolios anwenden. Wie das in der Praxis geht, zeigte Grando anhand der Chancen-Risiken-Analyse, die sein Unternehmen für das Objekt Claridenstrasse in Zürich gemacht hat.

Ersatz in anspruchsvollem Umfeld
Emanuel Christ von Christ & Gantenbein AG liess die Gäste an den grundsätzlichen Überlegungen teilhaben, die schliesslich zum Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel führten. Hier ging es ja darum, dem bestehenden Gebäude eine Erweiterung hinzuzufügen.

Für Christ steht bei Erneuerungen jeglicher Art vor allem und immer das Verhältnis zum Kontext im Vordergrund – also Aspekte wie architektonische Autonomie, Abgrenzung, Harmonie etc. Der Kontext beim Kunstmuseum war anspruchsvoll. Einerseits galt es dem bestehenden, hochwertigen Altbau Rechnung zu tragen, andererseits war das verfügbare, mehrfach gefaltete Grundstück alles andere als leicht zu bebauen. Der alte und der neue Bau sollten ja als Teil des gesamten „Systems Kunstmuseum“ funktionieren und auch so wahrgenommen werden.

Damit der Neubau nachhaltig werden konnte (gefordert war Minergie-P-Eco) mussten für verschiedene Probleme innovative Lösungen gefunden werden. Dazu gehört etwa die geregelte Tageslichtführung, bei der durch relativ kleine Deckenöffnungen mit hohem Reflexionsanteil qualitativ hochwertiges Licht in Ausstellungsräume geführt wird. Das reduziert nicht nur den Strombedarf für die Beleuchtung, sondern reduziert auch den sommerlichen Wärmeeintrag und somit den Energiebedarf für die Kühlung.

Fachtagung eco-bau/NNBS: Emanuel Christ
Emanuel Christ von Christ & Gantenbein

Ersatz mit Gewinn für die Allgemeinheit
Ganz anders stellte sich wiederum die Aufgabe bei den Baloise Versicherungen, wie Philippe Fürstenberger, Gesamtprojektleiter Baloise Park und Mitglied der Direktion, in seinem Referat ausführte. Hier war der Ausgangspunkt ein ganzes Areal, unter anderem mit einem 35-jährigen Hotel und einem 60-jährigen Bürogebäude.

In seinem Referat zeigte er, wie bei der Beurteilung des Bestands vorgegangen wurde. Sowohl beim Hotel als auch bei den Bürobauten war die Gebäudestruktur entscheidend dafür, dass sich die Basler Versicherungen für den Ersatz und gegen die Sanierung entschieden. Die Gebäude wären mit vertretbarem Aufwand nicht an die heutigen Anforderungen anzupassen gewesen. Hinzu kommt, dass die zu erwartende Rendite nach der Sanierung gesunken wäre – einerseits, weil sich die Mieterträge über den Lebenszyklus kaum hätten steigern lassen und andererseits, weil die Betriebskosten mit dem Alter steigen.

Am Ende resultierte ein Bebauungsplan, in dem die Stadt den Bauherrn zum nachhaltigen Bauen verpflichtete. Damit ging man in die Testplanung. Herausgekommen ist ein Projekt mit drei grossen Gebäuden und - als schönem Nebeneffekt – einem neuen öffentlichen Platz. In Zahlen ausgedrückt: Nach Abschluss der letzten Bauphase werden 620 moderne Arbeitsplätze für die Baloise Group, ein neues Businesshotel der gehobenen Sternekategorie sowie 15 000 m2 Büro- und Verkaufsfläche an attraktiver Lage zur Verfügung stehen.

Sanieren und dabei Fläche gewinnen
Gegen den Ersatz und für die Sanierung entschied sich Syngenta bei ihrem Bürogebäude Rosental, wie Johannes Kretzschmar ausführte. Er war bei der Gruner AG, Basel, für das Projekt verantwortlich. Ein wesentlicher Aspekt, der für die Sanierung sprach, war die graue Energie. Beim Umbau galt es verschiedene Anforderungen zu erfüllen. So sollte beispielsweise der Charakter der bestehenden, markanten Gebäudegruppe erhalten bleiben. Weiters musste man die Baulogistik und den Baulärm im intensiv genutzten Umfeld in den Griff bekommen. Das Gebäude musste an die heutigen Normen (zum Beispiel für Brandschutz und  Erdbebensicherheit) angepasst, die bestehende Quartiertrafostation ersetzt, das Mitarbeiterrestaurant im Innenhof des Ensembles erneuert und ein modernes Bürolayout realisiert werden. Am Ende sollte das Ganze nach Minergie-P-Eco zertifiziert werden.

Was das Büro-Layout anbelangt: Durch Verschieben der Fassaden nach aussen konnte eine Fläche gewonnen werden, die etwa einem zusätzlichen Geschoss entspricht. Eher schwierig gestaltete sich die Raumakustik in den neuen, offenen Büroflächen. Lüftung, Heizung und Kühlung wurden in die Decke integriert. Die Umsetzung der Vorgaben von Minergie-P-Eco sei durchaus anspruchsvoll gewesen, konnte aber durch intensive Begleitung der Bauarbeiten gelöst werden.

Sanieren trotz 70er-Jahre Betonklotz
Auch bei der Sanierung der Schulanlage Bäumlihof in Basel war die Gebäudestruktur ein Knackpunkt, wie Bernhard Gysin, Leiter Schulen beim Hochbauamt Kanton Basel-Stadt, erklärte. Das Mitte der 1970er-Jahre gebaute Gymnasium entsprach weder den baulichen noch den schulischen Anforderungen von heute. Es war architektonisch nicht sonderlich wertvoll teilweise in schlechtem Zustand. Insgesamt gab es also wenige Gründe, die Gebäude nicht zu ersetzen.

Fachtagung eco-bau/NNBS, Bernhard Gysin
Bernhard Gysin vom Hochbauamt des Kantos Basel-Stadt

Eine umfassende Zustandsanalyse zeigt dann doch, dass sich mit dem Bestehenden eine moderne Schulanlage realisieren liess. Für die Sanierung sprach auch, dass es im Umfeld der Schule gar nicht genug Platz für einen Neubau gab. Klar war, dass der Kanton seiner Vorbildfunktion gerecht werden und eine nachhaltig Lösung finden wollte. Als Vorgabe galt, dass die Anlage den Standard Minergie-P-Eco oder ein gleichwertiges Niveau erreichen sollte. Das bedeutete unter anderem: Die Energiekennzahl musste von 300 MJ/m2 auf 24,2 MJ/m2 gesenkt werden.

Interessant waren die Randbemerkungen zur Zertifizierung: Zuerst wollte man aus Kostengründen eher darauf verzichten und nur „gleichwertig“ bauen. Wegen der absehbaren Probleme bei der Qualitätssicherung und der Überprüfung der Resultate, entschloss man sich dann doch zu zertifizieren, zumindest nach Minergie-Eco. (Das „P“ wurde wegen der schwierig umzusetzenden Perimeterdämmung fallen gelassen.) Zu erwähnen bleibt, dass die ganze Anlage im laufenden Betrieb umgebaut wurde.

Zuerst schauen, dann bauen
Das Fazit aus der Veranstaltung könnte etwa so lauten: Nicht zu früh auf bauliche Lösungen hinarbeiten, sondern zuerst eine gründliche Auslegeordnung machen. Sie bildet die Grundlage dafür, die richtige Strategie für die Weiterentwicklung der jeweiligen Liegenschaften zu finden.

Von den Workshops am Nachmittag waren die beiden zu den Themen „Sanierung und Ersatzneubau“ sowie „Neue Sanierungskonzepte“ sehr beliebt. Bei den Exkursionen konnten die am Vormittag besprochenen Objekte besucht werden. Hier schwang das Kunstmuseum Basel im Interesse der Besucher weit oben aus. Gut besucht waren diesmal auch die Versammlungen von eco-bau, NNBS und SGNI. Die nächste Fachtagung von eco-bau und NNBS wird am 15. März 2018 stattfinden - reservieren Sie sich den Termin.

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Erster Fachpartner zertifiziert!

Mit der aardeplan AG aus Baar ist der erste Fachpartner eco-bau zertifiziert. Zurzeit sind noch vier weitere Unternehmen im Zertifizierungsprozess. Das Fachpartnerprogramm in der Westschweiz wird Mitte März lanciert.

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Bauen mit CEM III/B

Aus architektonischen Gründen und aus Überlegungen der Nachhaltigkeit wird von der öffentlichen Hand für Hochbauten gerne die Zementart CEM III/B ausgeschrieben. Die Vorzüge dieser Zementart sind vielfältig.

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Sie eröffnen neue Gestaltungsmöglichkeiten und unterstützen die ökologisch interessierte Bauherrschaft dabei, ihren Gebäudepark im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft zu gestalten. Dem etwas geringeren Karbonatisierungswiderstand (vor allem Betonsorten NPK A und NPK B) kann mit einfachen Massnahmen begegnet werden. Die Dauerhaftigkeit des Bauwerkes bleibt so auf jeden Fall gewährleistet.

Weitere Informationen

Medien-Echo zur Fachtagung von eco-bau und NNBS 2016

Zur diesjährigen gemeinsamen Fachtagung von eco-bau und NNBS sind verschiedene Berichte in den Medien erschienen. In den teilweise sehr ausführlichen Beiträgen wurde das Gesagte differenziert aufgenommen und aus verschiedenen Gesichtspunkten aufgearbeitet.

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Machen Sie sich ein Bild:

Architektur am Gängelband der Technik?“ in Tec21 Online, Autor: Paul Knüsel

Lowtech: komplexer in der Planung, einfacher im Unterhalt“ in Swiss-Architects Online, Autorin: Inge Beckel

eco-bau und NNBS: Wie viel Technik erfordert nachhaltiges Bauen?“ in EE-News Online, Autor: Toni Rütti

Fachtagung eco-bau/NNBS 2016 - zusammengefasst

Eindrücke von Fachtagung eco-bau/NNBS 2016

Rund 230 Teilnehmer besuchten am 17. März die Fachtagung von eco-bau und dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS). Im Zentrum stand dieses Jahr die Frage, wie viel Technik ein nachhaltiges Gebäude braucht respektive verträgt. Die Referate des Vormittags spannten einen weiten Bogen von neusten Ergebnissen aus der Feldforschung über grundsätzliche Philosophien und Konzepte zum Umgang mit Technik am Bau bis zu den Erfahrungen mit gebauten Beispielen.

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Hoch automatisierte Gebäude kaum nachgefragt

Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institut berichtete über die Erkenntnisse aus der Studie „Smart Home 2030“. Sie zeigte unter anderem, dass die Nutzer hoch automatisierte Gebäude noch kaum nachfragen und der Markt momentan von den Anbietern getrieben wird. Interessant ist auch, dass Architekten und Bauingenieure das Thema für deutlich weniger relevant halten als etwa Gebäudetechniker oder Elektroplaner/-installateure. Als grösste Hürden auf dem Weg zum automatisierten Zuhause wurden der Preis, die Störanfälligkeit, die Kompatibilität der Systeme und die Fragen um die Datensicherheit identifiziert. Aber nichts destotrotz: Frick vermutet, dass es hier ähnlich ablaufen wird, wie bei den Smartphones: „Zuerst will es keiner und dann kann keiner mehr darauf verzichten“. Das heisse für die Branche: gerüstet sein, kooperieren und den Markt besetzen, bevor es ausländische Grosskonzerne wie Google oder Amazon tun. Die preschen nämlich bereits mit einschlägigen Angeboten vor.

Zurück zu autochthonen Gebäuden

Volker Ritter ergänzte den Blick des Forschers um Aussagen aus der qualitativen Studie der Uni Liechtenstein zum Thema „Wie viel Technik braucht das nachhaltige Haus?“. Sie basiert auf Beträgen von 22 Experten. Wie vor ihm schon Karin Frick, stellte er fest, dass sowohl Bauherren als auch Architekten und Planende dem forcierten Einsatz von Technik eher skeptisch gegenüberstehen. Sie befürchten etwa zu hohe Kosten, überforderte Nutzer oder Betreiber und mangelnde Nachfrage auf dem Käufer- respektive Nutzermarkt.

Volker Ritter bei seinem Referat während der Fachtagung eco-bau/NNBS 2016
Volker Ritter: Technik muss vor allem "smart" sein.

Im Grunde kranke die Diskussion um Low- oder Hightech aber schon daran, dass die Begriffe nicht hinlänglich definiert seien. Sie liessen sich nur projektbezogen und für die jeweiligen Phasen des Lebenszyklus festmachen. Aber eine gewisse Grundhaltung zu „weniger ist mehr“ scheint in der Branche doch festzustellen sein. Interessanterweise gebe es trotzdem immer wieder schlecht konzipierte oder mangelhaft auf ihren Standort abgestimmte Gebäude, die durch viel Technik überhaupt erst gebrauchsfähig gemacht werden. Folgerichtig forderte er ein Zurück zu „autochthonen“ Gebäuden, die standort- und klimazonengerecht geplant sind.

Ritter empfiehlt im Zusammenhang mit dem Einsatz von Technik immer zu fragen, ob der technische Aufwand für die Nachhaltigkeit notwendig ist und die Ziele nicht auch durch andere (einfachere) Lösungen erreicht werden können. Am Ende sei es nicht entscheidend, ob ein Gebäude lowtech oder hightech sei – es müsse vor allem „smart“ sein.

Hinterfragen, reduzieren, optimieren

Andreas Hofer von der Baugenossenschaft „mehr als wohnen“ informierte über die Erfahrungen mit der gleichnamigen Überbauung in Zürich. Dort wurden auf einem grossen ehemaligen Industrieareal 10 Wohngebäude mit unterschiedlichen technischen Konzepten hochgezogen. Im Vordergrund stand aber, die Häuser von der Architektur her so robust zu planen, dass sie auch mit einfacher Technik funktionieren. Das bedinge aber, dass man vor dem Bau viel rechne und simuliere und vor allem auch die künftigen Nutzer einbinde.

Viel lasse sich für die Nachhaltigkeit auch gewinnen, wenn der bauliche Aufwand optimiert werde. Hierzu gehört etwa die Reduktion der Materialstärken von Decken und Wänden, aber auch der Anteil an Untergeschossen. Hinterfragen sollte man auch die Quasistandards im Bau wie etwa die generell geforderten 24 °C im Bad, die erhöhten Schallanforderungen oder der Umgang mit dem Kaltluftabfall vor Fenstern. Ein weiterer Aspekt, der bei der Züricher Überbauung eher zu Lowtech-Lösungen geführt hat, ist die Datensicherheit. Hochgradig automatisieren heisst ja vernetzen, und da fragt sich immer, wer am Ende was mit den anfallenden Daten treibt. Unter dem Strich habe sich der Ansatz bewährt. Entstanden sei in Zürich eine der günstigsten Siedlungen der letzten Jahre, und trotzdem bieten die Gebäude eine gewisse Grosszügigkeit. „Architektur ist wichtig“, schloss Hofer, „und dies lassen wir uns von den Fachplanern nicht nehmen.“

Das Beste aus zwei Welten

Jürg Spring, Bereichsleiter Bauherrenvertreter/-Beratung Swisscom AG, führte die Teilnehmer an das „Objekt des Tages“, den Businesspark in Ittigen heran. Dabei erfuhr man nebenher, dass die Telekomfirma mit rund 13 000 Objekten, darunter 1000 Betriebsliegenschaften und 90 Bürogebäude, eine der Grossen in der Schweizer Immobilienbranche ist. Der Businesspark wurde für 1700 Arbeitsplätze dimensioniert. Für die Swisscom war von Anfang an klar, dass es ein Leuchtturmobjekt hinsichtlich Nachhaltigkeit werden sollte. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Nutzer im Gebäude wohl fühlen und dort gerne arbeiten.


Florian Lünstedt (vorn) und Martin Meier bei ihrer Vorstellung des Swisscom-Businessparks

Florian Lünstedt, Atelier 5 Architekten, und Martin Meier von Ernst Basler + Partner gingen anschliessend in die Details: Das 45 000-m2-Gebäude hat 130 Mio. Franken gekostet. Damit gehöre es, auf den Arbeitsplatz heruntergerechnet, zu den eher günstigen Bürogebäuden. Dies mag angesichts der ausgeklügelten Gebäudetechnik erstaunen, die sowohl Low- als auch Hightech kombiniert, insbesondere bei Heizung, Lüftung und Kühlung. Ein Beispiel ist die bedarfsgesteuerte Lüftung, die das grosse, überdeckte Atrium quasi als Lunge nutzt. Dabei wird die Luft hauptsächlich durch den natürlichen, aber kontrollierten Kamineffekt gefördert, unterstützt von kleinen, in den Überströmöffnungen der Räume installierten Ventilatoren. Interessant auch die Wärme-/Kälteversorgung: Ihr Heizkreis wird von der Abwärme der Serverräume und einem Erdwärmesondenfeld mit Wärmepumpe gespeist. Der Kühlkreis arbeitet ebenfalls via Wärmepumpe auf die Sonden, wir aber ergänzt um einen Hybrid-Kühlturm ohne Kältemaschine. Damit gelang es auch in der heissesten Zeit des letzten Sommers, ein angenehmes Klima zu erhalten. Hierbei halfen auch die grossen Speichermassen des Gebäudes.

Dieses Gesamtsystem sei, so Meier, nur zu beherrschen gewesen, weil während der Planung ausgiebig simuliert wurde. Wichtig sei auch gewesen, dass die Ergebnisse dieser Simulationen der Bauherrschaft verständlich kommuniziert wurden. Meier plädierte dafür, in der Diskussion anstelle von Lowtech und Hightech den Begriff Smart-Tech zu verwenden. Die Frage sei ja nicht, ob die Technik komplex, oder einfach, neu oder alt sei – sondern, ob sie funktioniere. Erfahrungsgemäss bedingten einfache und robuste Lösungen aber eine umso aufwendigere Planung.

Fazit

Insgesamt liesse sich die Tagung etwa folgendermassen zusammenfassen: Was der Mensch braucht, ist vor allem ein gutes, in sich robustes Gebäude. Dieses rüste man klug mit so viel guter Technik wie nötig aus. Dabei scheue man keinen Rechen- und Simulationsaufwand und achte darauf, dass das Ganze einfach bedien- und für die Nutzer nachvollziehbar bleibt.

Was die Branche als solche angeht: Sie sollte sich im Klaren sein, dass der Anteil an Technik am Gebäude in Zukunft wachsen wird. Dies gilt besonders für die Elektronik, die immer billiger und hoffentlich auch kompatibler wird. Die hiesigen Firmen werden neue Konkurrenz aus der Informations- und Telekommunikationsbranche mit neuen digitalen Geschäftsmodellen erhalten. Auf die braucht Branche Antworten, wenn sie nicht zum Zulieferer degradiert werden will.


Das Podium, von links: Andreas Hofer, Karin Frick, Martin Meier, Robert Minovsky, Jürgen Baumann

In diesem Zusammenhang war die Feststellung an der Podiumsdiskussion interessant, dass die in der Schweiz geltende Honorarordnung den Einsatz von innovativer Technik behindert. So lange die Planenden nämlich entsprechend der Bausumme entschädigt werden, fragt sich, wer den höheren Aufwand für die Optimierung von klugen Lösungen bezahlt. Nicht förderlich sei auch die heutige Ausschreibungspraxis. Meist werde einfach die billigstmögliche Lösung bestellt, mit der sich die gesetzlichen Anforderungen auf dem Papier gerade noch erfüllen lassen. Da fehle oft der Spielraum für innovative, neue Ansätze.

Der Nachmittag bot je eine Session zu Technik im Schul-, Büro- und Wohnbau sowie eine zur Gebäudeautomation. Besonders beliebt war die Besichtigung des Swisscom-Businessparks, während der die technischen Lösungen am lebenden Objekt erklärt wurden. Geschlossen wurde der offizielle Teil mit den Mitgliederversammlungen von eco-bau, NNBS und SGNI. An der eco-bau-Versammlung wurde die neue Organisation des Vereins vorgestellt und einstimmig verabschiedet.

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